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Dr. Theiss Naturwaren kauft mit der Firma Dolorgiet einen Schmerzmittel-Hersteller

Dr. Theiss Naturwaren setzt auf sechs Marken. Eine davon ist die Olivenöl-Pflegeserie „Mediapharma-Cosmetics“.
Dr. Theiss Naturwaren setzt auf sechs Marken. Eine davon ist die Olivenöl-Pflegeserie „Mediapharma-Cosmetics“. FOTO: Wolf
Homburg. Der starke Markteinsatz in Osteuropa vor 25 Jahren hat der Firma Dr. Theiss Naturwaren seinerzeit einen Wachstumsschub gebracht. Die Krise in Russland und der Ukraine hinterlässt jetzt aber auch ihre Spuren. Lothar Warscheid

Die auf Naturheilkunde spezialisierte Firma Dr. Theiss Naturwaren aus Homburg wendet sich verstärkt der klassischen Pharmazie zu. Kürzlich kauften die Homburger das Pharma-Unternehmen Dolorgiet mit Sitz in St. Augustin bei Bonn. Die Firma produziert und vertreibt Arzneimittel, mit denen vor allem Erkrankungen im Magen- und Darmbereich sowie rheumatische Schmerzen bekämpft werden. "Auf diese Weise wollen wir unser Geschäftsfeld erweitern", sagt Giuseppe Nardi , geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Theiss Naturwaren. Erste Schritte hin zum Pharma-Bereich sind die Homburger schon vorher gegangen. Der neuen Anti-Entzündungscreme Proff sind fünf Prozent des Schmerzmittels Ibuprofen beigemischt. Auch die Serie Allga-Med, die Hornhaut bekämpfen soll, ist für den medizinischen Bereich gedacht.

Bisher hat sich das Unternehmen weitgehend auf Produkte mit Heileffekten auf pflanzlicher Basis spezialisiert. Der Firmengründer und Namensgeber, der Apotheker Peter Theiss, fühlte sich schon früh in seinem Tun beengt. Rezepte einlösen und die vom Arzt verschriebenen Medikamente über den Tresen schieben - das war ihm schnell zu wenig, nachdem er die väterliche Marktapotheke in Homburg 1976 übernommen hatte. Bald danach erforschte er alternative Heilmethoden auf Basis von Kräutern und anderen Pflanzen. Um diesen Geschäftszweig auszubauen, gründete Theiss 1978 die inzwischen stark gewachsene Naturwaren-Firma und begann mit Herstellung und Vertrieb von Arnika- oder Ringelblumen-Salbe beziehungsweise Schwedenbitter. Nach und nach kamen andere Naturprodukte hinzu, "die wir bei uns im Hause selbst erforschen und entwickeln", sagt Nardi. Auch die Produktion sei ausschließlich in Homburg konzentriert. Insgesamt arbeiten rund 1500 Frauen und Männer bei Dr. Theiss Naturwaren. Hinzu kommen noch die 200 Beschäftigten der neuen Tochterfirma Dolorgiet.

Seinen größten Coup landete Theiss, als sich nach der Wende die Märkte in Osteuropa öffneten. Viele schüttelten den Kopf, als die Saarlander früher als die meisten anderen Richtung Osten aufbrachen. "Mit unseren Hustensäften oder Pastillen wächst in Osteuropa jedes Kind auf", sagt Nardi. Bekannt ist in Russland und anderen Staaten auch die Zahnpasta namens Lacalut. "Sie ist zwar eine der ältesten Zahnpflegemarken Deutschlands, doch die Hauptabsatzmärkte sind Osteuropa und Russland ." Zwei Drittel seines Umsatzes von rund 250 Millionen Euro erwirtschaftet die Dr.-Theiss-Gruppe im Osten des Kontinents. "Daher belastet der niedrige Kurs des russischen Rubels in Verbindung mit steigenden Preisen auch unseren Absatz", sagt der Geschäftsführer. "Es ist schon eine neue Herausforderung." Denn auch die krisengeschüttelte Ukraine gehörte bislang zu den stärksten Märkten von Dr. Theiss.

In Deutschland ist das Unternehmen inzwischen mit sechs Marken vertreten, die - außer Lacalut - nur über Apotheken verkauft werden. Die bekanntesten Marken sind die "Allgäuer Latschenkiefer" (gegen Schmerzen in den Beinen und Füßen) und die Olivenöl-Pflegeserie "Mediapharma-Cosmetics". "Mit zwei Cremes aus dieser Serie führen wir den deutschen Markt an", sagt Nardi. Diese Produktfamilie ist inzwischen unter anderem um eine Pflegeserie mit Granatapfelsamenöl erweitert worden. Neu ist auch die Dr. Theiss Heilquellen-Kosmetik. Um diese herzustellen, haben die Homburger die Augustaquelle in Kleinblittersdorf-Rilchingen für 70 Jahre gepachtet. Die Pflegeprodukte können bei überempfindlicher und gereizter Haut eingesetzt werden.