| 19:07 Uhr

Wachsender Druck
2019 schweres Jahr für Dillinger Hütte

FOTO: Dillinger Hütte
Dillingen. Der Vorstandsvorsitzende Tim Hartmann sieht das Unternehmen unter starkem Druck. Deshalb will er weiter massiv Kosten senken. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

Die Dillinger Hütte muss sich gegen immer schwierigere internationale Marktbedingungen behaupten. Der VorstandsvorsitzendeTim Hartmann erwartet deshalb für das Unternehmen ein „sehr schwieriges Jahr 2019“, wie er gestern auf der Bilanzpresskonferenz des Unternehmens sagte.


Angesichts einer voraussichtlich geringeren weltweiten Steigerung der Wirtschaftsleistung und Bremsspuren in der europäischen Wirtschaft müsse mit einer „deutlichen Abschwächung der Stahlnachfrage“ gerechnet werden. Zudem bleibe der Grobblechmarkt als größte Absatzquelle der Dillinger hart umkämpft. Zwar sei der Preisdruck durch die Chinesen nicht mehr so akut, dennoch existierten weiter enorme Stahl-Überkapazitäten in Europa.

 Tim Hartmann, Chef der Dillinger Hütte, gibt sich kämpferisch.
Tim Hartmann, Chef der Dillinger Hütte, gibt sich kämpferisch. FOTO: Oliver Dietze


Man könne auch nicht auf jede Erfolgsgeschichte der Vergangenheit setzen. So sei der Pipeline-Auftrag für die Lieferung von Stahl zur Nordstream-2-Pipeline ein Glücksfall gewesen. Politische Auseinandersetzungen verhinderten in diesem Marktsegment Fortschritte, allerdings könne man möglicherweise noch im Mittelmeer, bedingt durch große unterirdische Lagerstätten, bei dem ein oder anderen Auftrag mitbieten, sagte Vertriebsvorstand Günter Luxenburger. „Wir werden künftig im Pipelinegeschäft einen deutlich geringeren Anteil haben“, stellte Hartmann klar.

Deutlich erholt zeigte sich zuletzt das Geschäft mit Aufträgen für Off-Shore-Windparks. Hier stellt die Dillinger Hütte Stahl-Fundamente für die Anlagen bereit. Viele Projekte seien verschoben worden. Jetzt habe das Werk der Dillinger in Nordenham jedoch einen Großauftrag an Land gezogen, der die Produktion für ein Jahr sicherstelle. In Deutschland seien einige Off-Shore-Projekte in der Entwicklung, aber noch nicht in Bau. Impulse kämen eher aus Frankreich, Irland und Übersee. Dieses Geschäftsfeld werde wieder interessanter.

Hartmann setzt in seiner Strategie darauf, Billig-Produkte stärker anderen zu überlassen. Die Saarländer wollen dagegen mit hochwertigen Qualitätsstählen sowie einer besonders hohen Zuverlässigkeit in den Lieferungen zusätzliche Kunden gewinnen. An weiteren Kostensenkungen führe kein Weg vorbei. Hartmann erwartet hier schon im laufenden Jahr einen Beitrag in zweistelliger Millionenhöhe. Die Maßnahmen beinhalten auch die weitere Reduzierung des Personalbestandes. Demnach sollen nach Auskunft von Personalvorstand und Arbeitsdirektor Peter Schweda bis 2020 rund 200 Mitarbeiter abgebaut werden. Geplant wird dann noch mit 4700 Beschäftigten, derzeit sind es 4919. Viele Betroffene erreichten bis dahin die Rente, in anderen Fällen würden sozialverträgliche Maßnahmen greifen.

Technik-Vorstand Martin Baues setzt auf eine weitere Automatisierung von Teilen der Produktion, allerdings nicht mehr im großen Stil. Baues denkt hier eher an den verstärkten Einsatz von „Big Data“, also die massenhafte elektronische Erfassung von Produktionsdaten, um verlässlichere Rückschlüsse auf Möglichkeiten zu bekommen, wie man die Qualität von Stählen noch weiter erhöhen kann. Hartmann kündigte als nächsten Strategieschritt die Überprüfung aller Geschäftsfelder an. Ziel dieser Maßnahme sei die Erschließung neuer Marktchancen. Insgesamt definiert er zwölf Geschäftsfelder für die Dillinger Hütte und Saarstahl. Im zweiten Schritt würden Strukturen entsprechend den Markterfordernissen angepasst und weitere Doppelstrukturen zwischen der Dillinger Hütte sowie Saarstahl abgebaut.

Die Belegschaft trägt nach Beobachtungen des Vorstandsvorsitzenden Veränderungen mit. Denn es sei Ziel aller, die Wettbewerbsfähigkeit des Stahlstandortes Saarland langfristig zu erhalten. Auf diesem Weg störe auch nicht die immer noch vorhandene 30 Prozent Beteiligung des weltgrößten Stahlherstellers Arcelor Mittal an der Dillinger Hütte. „Arcelor Mittal trägt alle unsere Vorgehensweisen mit und steht auch nicht störend auf der Bremse.“

Das Geschäftsjahr 2018 hat aufgezeigt, wie groß die Herausforderung der Dillinger Hütte ist, sich erfolgreich zu behaupten. So brach der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) in der Gruppe, also Aktiengesellschaft der Dillinger Hüttenwerke mit ihren Tochtergesellschaften, auf 55 Millionen Euro ein (Vorjahr: 87 Millionen Euro). Die Produktion der Walzwerke in Dillingen und in Dunkerque bei der 100 prozentigen Tochter Dillinger France sank auf 1,910 Millionen Tonnen gegenüber 2,043 Millionen Tonnen 2017.

Trotz gesunkener Absatzmengen konnten die Umsatzerlöse auf 2,20 Milliarden Euro gesteigert werden (Vorjahr: 2,12 Milliarden Euro). Die Gruppe investierte 54 Millionen Euro (2017: 58 Millionen Euro). Von den 2018 für die Dillinger Hütte und Saarstahl beschlossenen Investitionen in Höhe von 90 Millionen Euro fließen 48 Millionen in einen besseren Umweltschutz am Standort Dillingen.

 Dillinger Hütte in Zahlen, von 2018
Dillinger Hütte in Zahlen, von 2018 FOTO: SZ-Infografik