Saarbrücken: „Differenzierter Unterricht ist wichtig“

Saarbrücken : „Differenzierter Unterricht ist wichtig“

Zum Vorlesetag kam Ex-Bürgermeister Kajo Breuer an die Weyersbergschule. Sie soll bald entlastet werden.

Alle fünf Minuten muss Kajo Breuer beim Vorlesen eine kurze Pause einlegen. Zu groß ist der Wissensdurst der 20 Drittklässer, als dass sie warten könnten, bis der ehemalige Saarbrücker Bürgermeister das Ende des Märchens von der chinesischen Nachtigall erreicht.

„Welche Farbe hat die Nachtigall?“ fragt Joshua. Wie sie denn singt, will ein anderer wissen, und Casey will unbedingt erzählen, dass sie zu Hause Vögel beobachtet und Strichlisten führt.

Breuer wirkt begeistert über so viel Interesse und geht auf alle Fragen ein. Schon zum vierten Mal hat er sich beim bundesweiten Vorlesetag die Saarbrücker Weyersbergschule ausgesucht, um den Kindern dort eine vergnügliche Stunde mit Literatur zu bereiten. Als einer von insgesamt 25 Lesebotschaftern.

„Ich wurde schon als Kind eine Leseratte genannt und will den Spaß am Lesen gern weitergeben“, sagt er über seine Motivation. Er war nicht der einzige Lesebotschafter, der gestern nebenbei auch noch ein Formular zur Mitgliedschaft im Förderverein der Schule unterzeichnete.

Förderung kann die offene Ganztagsgrundschule gut gebrauchen. Die mit 500 Kindern größte Grundschule Saarbrückens verzeichnet wachsende Schülerzahlen und platzt inzwischen aus allen Nähten.

Deshalb verkündete die Stadt jetzt, dass sie zur Entlastung der Weyersbergschule noch eine weitere Schule in Burbach bauen will. Ohne diesen zusätzlichen Schulbau müsste die derzeit bereits fünfzügige Weyersbergschule künftig pro Jahrgang sieben Klassen bilden. Aber das wäre pädagogisch und organisatorisch nicht mehr sinnvoll, glaubt die Stadt. Schulleiterin Julia Beer kann also aufatmen. Allerdings dauere ein Schulneubau unter Umständen Jahre, gibt Beer zu bedenken.

„Für uns ist es wichtig, dass die Stadt noch mal draufschaut, was unsere Schule jetzt braucht“, betont Beer. Gut wäre es, wenn die Schule möglichst bald mit WLan ausgestatt würde, sagt Beer. Denn dann könnte sie ihren jetzigen Computerraum freimachen und ihn als Klassenraum nutzen. Die Schule habe nämlich genau einen Klassenraum zu wenig. Aber damit ist es nicht getan. „Wir sind eine Schule mit sehr unterschiedlichen Kindern, wir haben viele Flüchtlingskinder, Kinder aus bildungsfernen Schichten, deshalb ist differenzierter Unterricht sehr wichtig“, sagt Beer. Und dafür brauche man neben den Klassenräumen auch viele Räume für Kleingruppenarbeit. Auch die fehlen. Beer nimmt ihre Kleingruppen regelmäßig mit in ihr Rektorinnen-Büro. Förderunterricht müsse sogar in den Schulfluren gehalten werden.

Die Stadt hat angekündigt, im kommenden Schuljahr drei weitere Räume in Containern auf dem Schulhof anzubieten. Dadurch aber wird der Pausenhof kleiner. Deshalb hat die Schule der Stadt vorgeschlagen, den Vorgarten der Schule mit einem Zaun zu versehen, um dort einen Ruhebereich einzurichten. „Für Kinder, der mehr Ruhe benötigen“, sagt die Rektorin.

Auch pädagogisch will sich die Schule weiterentwickeln. Hausaufgaben hat sie schon abgeschafft und sechs Stunden Lernzeit pro Woche eingeführt. In dieser Lernzeit arbeiten Kleingruppen mit einer Lehrkraft. So könne man homogenere Gruppen bilden, in denen Kinder mit gleichem Leistungsstand und Förderbedarf gemeinsam unterrichtet werden. Auch wie Demokratie funktioniert, sollen die Weyersbergschüler künftig besser lernen. Mit einem Schulparlament will das Kollegium die Kinder stärker an Entscheidungen beteiligen. Schon jetzt habe man einen wöchentlichen Klassenrat, in dem es darum geht, kleine Probleme und Streitigkeiten zu klären. Die Schüler wüssten es zu schätzen, wenn sie Verantwortung übernehmen, sagt Beer. „Wir haben den Klassenrat erst seit Sommer, aber die Kinder fordern ihn mittlerweile schon ein.“