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Diese Behauptung ist abwegig

Bis auf Einzelheiten bin ich mit dem Text zum Wahrheitsgehalt geschichtlicher Ereignisse einverstanden. Abwegig ist aber die Behauptung: „Das größte Ereignis der Menschheitsgeschichte, Jesu Auferstehung, ist von wissenschaftlicher Seite her nicht haltbar, die Berichte der Evangelisten demnach also eine Falschmeldung.“ Dies hieße im Umkehrschluss: Wahr ist nur, was von wissenschaftlicher Seite haltbar ist. Für den wissenschaftlichen Beweis eines Vorgangs gilt wohl als erstes die Reproduzierbarkeit. Ein einmaliger, unwiederholbarer Vorgang ließe man allenfalls als Phänomen, nicht aber als gültigen Wissenschaftsbeweis gelten. Anders, wenn ein Vorgang vor allem auf Zeugenaussagen und Indizes beruht. Hier gelten Glaubhaftigkeit, Glaubwürdigkeit, Wahrscheinlichkeit. So wird ein Gericht kaum einen Angeklagten aufgrund eines wissenschaftlichen Beweises, sondern – nach Würdigung der Umstände – aufgrund einer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verurteilen. Der renommierte englische Gerichtsmediziner Charles Foster hat im Buch „Die Akte Jesus“ untersucht, wie es zum Auferstehungsglauben kommen konnte (Jesus war nur scheintot, der Leichnam wurde gestohlen, das Grab verwechselt und so weiter). Ergebnis: Das Plausibelste und Wahrscheinlichste ist, dass Jesus auferstanden ist. Abwegig sei, dass ein Mensch eine Kreuzigung überlebte, unwahrscheinlich, dass die Apostel als Augenzeugen in unterschiedlichen Orten und Zeitabständen sich wegen des Bekenntnisses zu einem Scheintoten dem Märtyrertod unterwarfen. Lesenswert ist der Spiegel-Titel „Erforscht: Die letzten Tage des Jesus von Nazareth“ (März) – da heißt es, viele Legenden hätten sich laut Forschung als wahr erwiesen.

Helmut Hoos, Neunkirchen