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Die Welt, gesehen durch ein Loch

Das Undeutliche, Nebulöse ist hier durchaus gewollt. Foto: K4
Das Undeutliche, Nebulöse ist hier durchaus gewollt. Foto: K4
Saarbrücken. "Der gedehnte Blick", so der Titel der Ausstellung, ist der Blick durch die Lochkamera, die so genannte "Camera obscura". Ohne den Einsatz einer Linse auskommend, lassen sich mit ihr spezielle Bild-Effekte erzielen Von SZ-Mitarbeiterin Margit Zimmermann

Saarbrücken. "Der gedehnte Blick", so der Titel der Ausstellung, ist der Blick durch die Lochkamera, die so genannte "Camera obscura". Ohne den Einsatz einer Linse auskommend, lassen sich mit ihr spezielle Bild-Effekte erzielen. Dabei fokussieren die Mitglieder der Künstlergruppe "Linsenfrei" weniger den technischen Aspekt als vielmehr die Rezeption durch den Betrachter und auch die eigene Person.


Thomas Bachlers "Pixel trees" erscheinen aus Fernsicht als fotografisch-analoge Baum-Aufnahmen, um sich bei näherem Hinsehen als ein Universum aus den kleinsten, rechteckigen Einheiten der digitalen Bildverarbeitung zu entpuppen. Die Leuchtkasten-Installation Bärbel Möllmanns kombiniert Fotografie und Ton: Ihre Bilder symbolisieren die Wertvorstellungen von Menschen, die sie interviewt hat. Begleitet von deren Aussagen, die aus Kopfhörern tönen, scheint sich die Grenze zwischen uns und dem Gesehenen aufzulösen. Das wiederum animiert zu einer Reflexion und Überprüfung des eigenen Werte-Systems.

Der Wahrnehmungsprozess des Künstlers ist Thema bei Oliver Möst: Das Zusammenspiel von Loch-und Videokamera ermöglicht ein Changieren der Bild-Schärfe durch Weg-und Heran-Zoomen zur Verdeutlichung seines "Sehfehlers" als Brillenträger. Karen Stukes Bilder sind Langzeitbeobachtungen ihres nächtlichen Schlafes durch die Kamera. Sich überlagernde Zeitphasen verschmelzen im Foto zu einem Gesamteindruck zwischen Traum und Wirklichkeit. Ronka Oberhammer dagegen ließ ihre Verwandten Bilder von sich schießen, während sie sich im Kreis drehten. So entstand ein Bilderreigen aus Einzelaufnahmen einer oft schemenhaft-rasanten Flüchtigkeit. Scharfe und unscharfe Bilder als komplexe Konstruktion bei Gabriele Worgitzki: Klar umrissene Personen und ein durch Überblendungen verschwommener Stadtraum verschmelzen zu einer Einheit und Gleichzeitigkeit von Stillstand und Bewegung.



Eine merkwürdige Unwirklichkeit haftet all diesen Momentaufnahmen "unspektakulärer" Alltagssituationen an. Auf raffinierte Weise wird so mit der Wahrnehmung des Betrachters gespielt, wobei der besondere Reiz der Werkschau in den jeweils ganz unterschiedlichen Bild-Resultaten begründet liegt. mz

Bis 16. Mai. K 4 Forum, Karlstraße 4, Saarbrücken. Di bis Do 15 bis 19 Uhr, Fr 11 bis 19 Uhr, So 15 bis 19 Uhr. www.k4-galerie.de