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Die wahre Liebe in Schwarzweiß

Camille und Emilie Pergent im Film „Le désir du monstre“, der dem phantastischen Film der 1930er Jahre die Ehre erweist. Foto: Creajeune
Camille und Emilie Pergent im Film „Le désir du monstre“, der dem phantastischen Film der 1930er Jahre die Ehre erweist. Foto: Creajeune FOTO: Creajeune
Saarbrücken. In Saarbrücken laufen am Donnerstag an drei Terminen ausgewählte Filme von Créajeune, dem Nachwuchswettbewerb der Großregion. Was gibt es zu sehen? Tobias Kessler

Ein Blitz zuckt am schwarzweißen Himmel, die Schrift des Vorspanns und die Musik gemahnen an Gruselfilme der 30er Jahre - "Le désir du monstre" ist ein äußerst stilsicherer Kurzfilm. Er gehört zu den Werken der Kategorie "Junge Erwachsene" von Créajeune, dem Nachwuchsfilmwettbewerb der Großregion. Am Donnerstag zeigt das Saarländische Filmbüro im Kino Achteinhalb eine Auswahl des aktuellen Jahrgangs: Filme von Kindern (ab neun Uhr), von Jugendlichen (ab elf Uhr) und ab 19 Uhr von jungen Erwachsenenen. "Le désir du monstre" aus Lothringen wurde in dieser Sparte im Januar prämiert; Aurélien Antezaks Film erzählt von einem Varieté-Darsteller, der in Liebe zu einem siamesischen Schwesternpaar entflammt; doch er erlebt eine enttäuschende Überraschung. Dass wahre Liebe dennoch ihren Weg findet, erzählt der Film wortlos, mit morbider Atmosphäre und mit kunstvollen Film-Noir-Bildern. Das Spiel mit Licht und Schatten (Kamera: Carryl Bertet), ist eine Freude.

Ebenfalls prämiert wurde "Manon" von Vivien Héraut und Félix Roulière, ein gut gespielter Film über den Kollaps eines jungen Mannes. Gegenwart und Vergangenheit geraten durcheinander, Bilder verschwimmen oder prasseln im Stakkato auf die Leinwand - den Grund verrät der Film in seinem letzten Bild.

Aus dem Saarland kommt "Places" von Marc Schuler, verantwortlich für Buch, Regie, Schnitt und die sehr bewegliche Kamera. Ein junger Mann mit Kaffeetasse und Pantoffeln greift zu seiner Tageszeitung, was ihn wundersamerweise an verschiedene Orte der Region transportiert: auf Brücken an der Saar, in Burgen und auch an Saarbrückens Osthafen - eine flotte Fingerübung mit Sinn für Tempo und Atmosphäre.

In der Jugendlichen-Sparte fällt die Luxemburger Produktion "The adventure of Mount Hope" von Lukas Grevus auf: Die 24-minütige Geschichte um ein Mädchen , das aus einem desinteressierten Zuhause in die Natur flieht, erzählt mit stimmungsvollen Bildern und viel Gefühl - nur der Einsatz der Musik (entlehnt aus Hollywoodfilmen) wirkt manchmal übertrieben.

Ein Preisträger in der Sparte "Filme von Kindern" kommt aus der Kulturhauptstadt Mons : "Allumette", gefilmt von einer Klasse der dortigen Grundschule Sacré-Coeur, erzählt von einem obdachlosen Mädchen in der Stadt - die Umwelt reagiert gereizt, denn Armut stört empfindlich beim Flanieren. Ein anrührender Film, optisch originell mit Kulissen in Aquarell-Anmutung.

Donnerstag, 9, 11 und 19 Uhr. Informationen: www.creajeune.eu