| 20:08 Uhr

Serie Kirchenporträt
Sie hätte fast einem Neubau weichen müssen

Kirkel-Limbach . Der Erste Weltkrieg verhinderte den Abriss der Elisabethkirche in Kirkel-Limbach. Pläne für einen Neubau hatte es da bereits gegeben.

Zwei Ereignisse prägten die Beziehung des 80-jährigen Jürgen Riedinger zu „seiner“ Elisabethkirche in Limbach, ein schönes und ein weniger gelungenes: Einmal die feierliche  Glockenweihe im Jahr 1952, als zwei der im Krieg eingeschmolzenen Glocken durch neue ersetzt wurden. Und dann, dass Riedinger 1949 bei der Gedenkfeier zum 700-jährigen Bestehen aus der Kirche geworfen wurde, weil er gelacht hatte. Das konnte sich der damals Elfjährige einfach nicht verkneifen, weil sein Blick auf die Grimassen der draußen spielenden Kinder gefallen war.


Beides sorgte jedoch dafür, dass Riedinger einen starken emotionalen Bezug zur Kirche bekam und sich zeitlebens intensiv mit deren Historie befasste. Die Elisabethkirche steht in der Ortsmitte von Limbach, dem Ortsteil der Gemeinde Kirkel. Wie viele alte Kirchen besitzt sie eine lange Geschichte von Aus- und Umbauten. Die Ursprünge liegen im 13. Jahrhundert, als an dem Ort zunächst eine kleine Kapelle errichtet wurde.

Gräfin Loretta von Saarbrücken (1217–1271), so heißt es, ließ sie möglicherweise zum Seelenheil ihres Mannes bauen. Dieser war 1249 auf einem Kreuzzug ums Leben gekommen. Riedinger fand in nahezu detektivischer Arbeit heraus, dass 1249 nicht das Jahr der Entstehung der Kirche, sondern der Erweiterung einer zuvor errichteten Kapelle sein dürfte. Er ist der Meinung, dass der Anbau des Kirchenschiffs und die Erhöhung der Kapelle zum Turm in Archiven erwähnt worden wären, wenn beides später als 1249 erfolgt wäre. Die Kapelle hatte mit 6,60 auf 6,80 Meter einen bescheidenen Zuschnitt und dürfte als Filialkirche der Altstadter Martinskirche erbaut worden sein. Durch die Reformation, die 1533 in die Region kam, wurde die Kirche protestantisch. Dann erfolgte 1580 eine Aufstockung des Turms, der schließlich 1702 seine heutige Höhe erhielt. Beide Jahreszahlen sind heute von außen erkennbar. Von 1721 bis 1727 wurden das Kirchenschiff erweitert und eine Empore eingebaut. Deren Bänke von damals sind noch vorhanden. Der Eingang wurde von der West- auf die Südseite verlegt.



Der einstige Presbyter und Bauingenieur Ludwig Daniel setzte im vergangenen Jahrhundert Stahlstifte in Nord- und Südseite der Kirche ein, die die Größe des einstigen Kirchenschiffes markieren.

Als nächstes historisches Ereignis, das Spuren an der Kirche hinterließ, folgte die französische Revolution, mit der ja eine Entchristianisierung einherging. Der Legende nach sollen die Revolutionstruppen ein Loch in den Turm gebrochen haben, groß genug, dass Pferde die nun zum Stall umfunktionierte Kirche betreten konnten. Für diese Geschichte sprechen anders gefärbte Sandsteine auf der Ostseite des Turms, die ein solches Loch vermuten lassen. Allerdings, erzählt Riedinger, habe man bei Renovierungsarbeiten innen keine entsprechende Veränderung im Mauerwerk erkennen können. „Möglicherweise wollte man mit der Geschichte nur dem ‚Feind‘ vom deutsch-französischen Krieg 1870/71 etwas Böses anhängen.“ Im 19. Jahrhundert blieb die Kirche vor größeren Veränderungen verschont.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wäre die Elisabethkirche jedoch fast abgerissen worden, weil die umliegenden Gemeinden Altstadt, Niederbexbach und Kleinottweiler keine Kirche mehr besaßen und schon Pläne für einen größeren Neubau vorlagen. Der erste Weltkrieg verhinderte jedoch dieses Vorhaben.

1922 wurde auf der Westseite ein Treppenhaus angebaut, das einen einfacheren Zugang zum Dachboden und auch zum Turm ermöglichte. Eine größere Renovierung fand von 2005 bis 2007 statt, als unter anderem die Decke neu gestaltet wurde. Laut Pfarrerin Christiane Härtel seien manche Gemeindemitglieder nicht so zufrieden damit gewesen: Statt der früheren Hohlkehle besitzt das Schiff jetzt eine Holzdecke. Aber anders sei es nicht möglich gewesen. Dieter Hock, Vorsitzender des Fördervereins der Kirche, erzählt: „Als wir angefangen haben, zu renovieren, ist die Decke an manchen Stellen runtergebrochen, da musste man sie ganz rausholen.“ Über eine halbe Million Euro habe die Restaurierung gekostet, die auch die Außenhülle und das Dach betraf.

Auf der Seite Momente stellt die Saarbrücker Zeitung im Wechsel Kirchen und Lebenswege Verstorbener vor.