Die Schau „#glaubeliebehoffnung“ beginnt morgen in Saarbrücken

Die Schau „#glaubeliebehoffnung“ beginnt morgen in Saarbrücken

Mit der Ausstellung „#glaubeliebehoffnung“ im Kulturzentrum am Eurobahnhof suchen Studierende der Universität Saarbrücken nach „Spuren des Transzendenten in der regionalen Kunst“.

Es gibt im zeitgenössischen Kunstbetrieb immer wieder Modeworte, die so abgenutzt sind, dass sie zu inhaltsleeren Worthülsen verkommen. Transzendenz etwa - gemeint ist damit etwas, was außerhalb unserer Sinneswahrnehmung liegt und die Grenzen menschlicher Erkenntnis übersteigt, also eine Sache, der etwas Übersinnliches oder Göttliches innewohnt. Inzwischen ist der Begriff so negativ besetzt, dass er gerne unter Zuhilfenahme neuer Modebegriffe umschrieben wird. Es ist also kein Wunder, dass die saarländischen Künstler erst einmal verhalten reagierten, als Studierende der evangelischen Theologie und der Kulturwissenschaften der Uni Saarbrücken ihnen im vergangenen Sommer ein gemeinsames Projekt vorschlugen. Die Studierenden wollten auf Spurensuche nach Transzendentem in der zeitgenössischen Kunst der Region gehen und erkunden, welche ästhetische Umsetzung religiös-spirituelle Themen erfahren. Die Ergebnisse wollte man in einer Ausstellung zeigen.

Nach anfänglichem Zögern kam man ins Grübeln, erzählt der Künstler Dirk Rausch, und überprüfte das eigene Werk eingehender. Führt man sich den Ausstellungstitel "#glaubeliebehoffnung" vor Augen, so kann man die Kernaussage dieser christlichen Tugenden aus dem 1. Korintherbrief durchaus in vielen künstlerischen Werken entdecken, und der philosophisch-abstrakte Begriff "Transzendenz" füllt sich mit Leben. Das erkannten auch die Künstler, plötzlich wollten viele mitmachen. Die Studierenden versandten Fragebögen und überlegten gemeinsam, wessen Arbeiten man dabei haben wollte. "Es gab angeregte Diskussionen über die Auswahl der Werke", sagt Soziologie-Professor Oliver Zimmermann, "aber letztlich waren sich die Studierenden einig".

Unterstützung bekamen die angehenden Wissenschaftler von KuBa-Kurator Andreas Bayer, der vor allem bei der Hängung der Werke behilflich war. Das war nicht von Nachteil, denn es galt, die Exponate in Bezug zu setzen und den Eindruck eines zusammenhanglosen Sammelsuriums zu vermeiden. So entstand eine ansehnliche Ausstellung, die den Begriff Transzendenz sogar ein wenig rehabilitiert, weil nicht Kunsthistoriker im Begleitheft schwadronieren, sondern die Künstler erklären dürfen, was sie darunter verstehen.

Schon beim Aufstieg zur Galerie begegnet man im Treppenhaus des KuBa den Werken von Dirk Rausch. Er schafft es alleine mit der Farbwirkung seiner beiden Arbeiten, eine sinnliche Erfahrung von Transzendenz zu ermöglichen.

Betritt man den Galerieraum, richtet sich der Blick auf Mirjam Elburns Arbeit "Pfau". Es ist ein fast sakral präsentiertes, vergilbtes Baumwollkleid. Vom unteren Saum wuchert menschliches Haar durch das Gewebe. In einer Mischung aus Ekel und Faszination nähert man sich dem Kleid, ist gleichzeitig angezogen von dem verrucht wirkenden, transparenten Stoff und zugleich abgestoßen von den Spuren menschlicher Existenz. Eindrücklich ist auch Andrea Neumanns "Orakel". Das zwischen Abstraktion und Figuration schwankende Gemälde einer sitzenden Gestalt lässt Platz für Spekulation und Interpretation einer Person, die zwischen Diesseits und Jenseits zu schweben scheint.

Die Ausstellung vereint 16 Künstler, darunter Armin Rohr, Gabriele Langendorf, Johannes Lotz, Claudia Vogel, Till Neu und Frauke Eckhardt, die mit einer "Klanglandschaft" dazu einlädt, über und mit Pflanzen zu musizieren und zu kommunizieren.

Vernissage: Morgen, 19 Uhr.

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