Saarbrücken/Güdingen: Die Osterhasen hatten zum Glück Assistenten

Saarbrücken/Güdingen : Die Osterhasen hatten zum Glück Assistenten

Tausende besuchten zur Saisoneröffnung am Sonntag den Deutsch-Französischen Garten, wo die Osterhasen mächtig ins Schwitzen kamen. Montag folgte der Saisonstart auf der Pferderennbahn in Güdingen.

Die Studenten in den dicken Osterhasenkostümen im Deutsch-Französischen Garten (DFG) hatten am Sonntag Mitleid verdient. Zum einen, weil es sommerlich warm war an diesem Ostersonntag, zum anderen wegen des enormen Andrangs, dem sie ausgesetzt waren, als sie versuchten, Ostersüßigkeiten an die Kinder zu verteilen. Teils waren die Hasen in der Menschenmenge gar nicht mehr zu sehen, Hunderte scharten sich um sie herum, um einen Schokogruß abzustauben.

Die Stadt hatte eigens mehrere Hasen nebst Assistenten im Einsatz, deren Job war es, den Hasen die Körbchen aufzufüllen. Trotz Andrang: Das Verteilsystem mit den Hasen bewährte sich, denn berüchtigt war das Eiersuchen im DFG noch vor Jahren, als Erwachsene sich mit Kindern um die Verstecke und die Beute zankten und immer wieder Tränen flossen. Diesmal brauchte man nur etwas Gelduld.

Das sommerliche Wetter lockte Tausende in den DFG – wo am Ostersonntag auch die Saison offiziell begann. Sessellift und Kleinbahn waren in Betrieb und satt ausgelastet. Nur die Tretboote waren noch nicht im Wasser, und die Wassersorgel spielte nicht. Die Begründung hierfür lieferte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz bei der Eröffnung. Zur Revision der Orgel sei der Wasserspiegel gesenkt worden, seitdem habe es aber nicht mehr ausreichend geregnet, um die Wasserorgel wieder nutzen zu können. Der Deutschmühlenweiher brauche noch etwas Regen, die Besucher freute es, dass der wohl erst nach den Ostertagen kommen soll.

Und so wurde ausgiebig gepicknickt. Ein Brautpaar machte Fotos, im Bachlauf spielten die Kinder, die Minigolfanlage war ausgelastet. Zigtausende Tulpen blühten, kein Wunder, das Grünamt hatte 140 000 Zwiebeln gesetzt. Der DFG, der im kommenden Jahr 60 wird, präsentierte sich blühend und in sattem Grün – bestens gerüstet also für die kommenden Events: das Kinderfest am 25. August oder das Fest zum 60-jährigen Bestehen der Stadtkapelle am 15. August.

Noch nicht fertig ist der neue Spielplatz, der am Ort der alten Gulliver-Welt entsteht. Dort will die Stadt 670 000 Euro investieren, den Bach aus seinen Rohren befreien und einen Wasser- und Kleinkinderspielplatz anlegen.

Auf die Saisoneröffnung im DFG am Ostersonntag folgte am Ostermontag der Saisonauftakt auf der Pferderennbahn in Güdingen. Wieder bei Kaiserwetter. Auch das musste ein Erfolg werden. Strahlender Sonnenschein, Adrenalin pur bei den Sportlern und Wettfreunden und dazu viele, viele extravagant gekleidete Menschen.

Mehr als 1000 Zuschauer kamen zur Veranstaltung des Rennclubs Saarbrücken. Einigen fehlte zwar das absolute Expertenwissen, was Ross und Reiter angeht, doch das juckte im Prinzip keinen. „Mein Freund hat heute Geburtstag, und wir wollten mal etwas Originelles machen. Das Wetter spielt mit und wir haben viel Spaß“, erklärte Katharina Müller aus Saarlouis. Außer ihrem Freund hatte Katharina auch ihre Freundin Jasmin Heinrich mitgenommen. Beide hatten sich richtig herausgeputzt – mit tollen Kleidern und ausgefallenen Hüten. „Wenn schon, dann richtig. Wir werden auch wetten, aber wir haben davon überhaupt keine Ahnung“, verriet Jasmin Heinrich, bevor beide lachen mussten.

An den Wettannahmestellen war den ganzen Tag die Hölle los. So gut wie jeder wettete und fieberte mit seinem Favoriten. „Ich habe bislang zweimal ganz knapp verloren. Im vergangenen Jahr habe ich bei einem Rennen 900 Euro gewonnen. Wir haben viel Spaß mit der ganzen Familie und bei den Wetten steigt schon mal der Adrenalinpegel“, sagte Michael Kuhn aus Saarbrücken.

Während die zehn Rennen auf der Rennbahn nach und nach gestartet wurden und viele Menschen ihren Spaß hatten, verstand einer die Welt nicht mehr: Wolfgang Diehn aus Nürnberg verkauft schon seit 30 Jahren bei Pferderennen Hüte. Die Saarländer bringen den 72-Jährigen jedes Jahr aufs Neue fast zum Verzweifeln. Er berichtete: „Irgendwie scheinen die Saarländer keine Hüte zu mögen. Ich war an Ostersonntag bei einem Rennen in Berlin, und da wollten sehr viele Menschen meine Hüte. Im Saarland läuft es jedes Jahr nicht so toll. Und das bei diesem Wetter.“ Der Nürnberger hatte unter anderem selbst geflochtene Panamahüte zu 70 Euro im Angebot. „Vor Jahren haben zwei Russen mal zwei Hüte im Wert von 40 000 Euro gekauft. Das war bislang das höchste, was ich an Preisen für Hüte mitbekommen habe. Allerdings haben sie die Hüte nicht bei mir gekauft“, verriet der Hutverkäufer aus Leidenschaft.

Tausende Blüten machten die Saisoneröffnung im DFG zum Augenschmaus.     Foto: BeckerBredel
Im Wettbüro der Güdinger Rennbahn waren am Montag einmal mehr der richtige Riecher oder das bare Glück gefragt.    Foto: Heiko Lehmann
Gut behütete Damen gehören zu jedem stilechten Renntag: (v.l.) Katharina Müller und Jasmin Heinrich aus Saarlouis. Foto: Heiko Lehmann

Und als der Renntag Mitten im Gange war gesellten sich die Menschen auch mal an den Hutstand, und eine Dame kaufte einen original Panamahut bei Wolfang Diehn. Mit einem breiten Grinsen und einem Daumen hoch freute sich der 72-Jährige.