| 19:14 Uhr

Betriebsrente
Die neue Betriebsrente, ein Reförmchen fürs Alter

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: Robby Lorenz
Dass die gesetzliche Rente langfristig kaum noch geeignet ist, den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand zu sichern, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Die Steigerungen gerade in den vergangenen Jahren fielen zwar recht ordentlich aus. Aber bestimmte Faktoren bei der Rentenberechnung sorgen dafür, dass die Altersbezüge auf lange Sicht deutlich hinter der Lohnentwicklung zurückbleiben. Das ist politisch gewollt, denn tendenziell müssen die Beiträge für immer mehr Rentner von immer weniger Beschäftigten aufgebracht werden.

Dass die gesetzliche Rente langfristig kaum noch geeignet ist, den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand zu sichern, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Die Steigerungen gerade in den vergangenen Jahren fielen zwar recht ordentlich aus. Aber bestimmte Faktoren bei der Rentenberechnung sorgen dafür, dass die Altersbezüge auf lange Sicht deutlich hinter der Lohnentwicklung zurückbleiben. Das ist politisch gewollt, denn tendenziell müssen die Beiträge für immer mehr Rentner von immer weniger Beschäftigten aufgebracht werden.


Nun startet die Bundesregierung einen neuen Versuch, um das Vorsorge-Bewusstsein zu schärfen: Die Betriebsrente soll's richten. Und das ist zunächst einmal grundsätzlich zu begrüßen, auch wenn die Gesetzespläne von einem wirklich großen Wurf weit entfernt sind.

Immerhin konzentrieren sich Union und SPD diesmal auf jene Gruppe, denen tatsächlich Armut im Alter droht. Das sind die Beschäftigten mit wenig Lohn. Für sie soll der Arbeitgeber einen zusätzlichen Obolus einzahlen. Das ist nicht die schlechteste Lösung. Schließlich sparen die Unternehmen bei der betrieblichen Altersversorgung Sozialbeiträge. Für Niedrigverdiener wiederum sind die heutigen Lösungen kaum attraktiv, weil sie von einer Steuerersparnis wenig oder gar nicht profitieren. Ein weiteres Plus aus Sicht der Betroffenen: In der Auszahlungsphase wird die Betriebsrente künftig nicht mehr automatisch mit der Grundsicherung verrechnet. Bisher war das ein berechtigtes Argument von Geringverdienern, die Finger vom Alterssparen zu lassen. Künftig sorgt ein Freibetrag dafür, dass gerade diese Gruppe zusätzlich etwas vom Angesparten hat.



Den wohl größten Webfehler beseitigt die Reform allerdings nicht: Die allermeisten "Betriebsrentner" müssen auf ihre Extra-Bezüge weiterhin den vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag abführen. Das schmälert die Auszahlung erheblich - und damit die Akzeptanz dieses Modells. Ein weiteres Manko: Die Umwandlung von Gehaltsanteilen für die Altersvorsorge ist schon heute ziemlich unübersichtlich. Es gibt fünf Varianten, von der so genannten Direktzusage bis hin zu Pensionsfonds. Mit der Reform kommt eine weitere Option hinzu. Es wird also noch komplizierter. Obendrein ist das Gesetzesvorhaben mit der neuen Arbeitswelt kaum vereinbar. Ein und derselbe Job "auf Lebenszeit", das war einmal. Mittlerweile sind häufigere Arbeitsplatzwechsel eher die Regel. Und wer das auch noch branchenübergreifend tut, für den wird die Betriebsrente kaum rentabel sein.

Damit bleibt am Ende auch unklar, in welchem Maße die neuen Möglichkeiten genutzt werden. Entgegen sonstigen Gepflogenheiten hält sich die große Koalition an dieser Stelle mit Prognosen auffällig zurück. Klar ist allerdings: Betriebsrenten allein werden das Rentenproblem der Zukunft gewiss nicht lösen.