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"Die Kunstgeschichte ist keine Illustration"

Wie sah Ihre Mitarbeit an der Ausstellung aus?Winzen: Mein Beitrag zum Projekt ist, dass ich einer der Autoren des Kataloges bin. Im Oktober 2008 wurde ich zusammen mit anderen Kunstexperten zu einem großen Brain-Storming, bezogen auf 60 Jahre Kunst in Deutschland, eingeladen. Nach diesem gemeinsamen Nachdenken hatte ich keinen Einfluss auf die endgültige Auswahl

Wie sah Ihre Mitarbeit an der Ausstellung aus?


Winzen: Mein Beitrag zum Projekt ist, dass ich einer der Autoren des Kataloges bin. Im Oktober 2008 wurde ich zusammen mit anderen Kunstexperten zu einem großen Brain-Storming, bezogen auf 60 Jahre Kunst in Deutschland, eingeladen. Nach diesem gemeinsamen Nachdenken hatte ich keinen Einfluss auf die endgültige Auswahl.

Welche drei Künstler vermissen Sie ganz persönlich?



Winzen: Ich vermisse vor allem Künstlerinnen. In den letzten drei Jahrzehnten haben immer mehr Künstlerinnen immer normaler am Kunstgeschehen in Deutschland teilgenommen und es mitbestimmt. Ich hätte mir gut Katharina Fritsch, Katharina Grosse und Else Gabriel in der Ausstellung vorstellen können. Aus Fairness gegenüber den letztlich entscheidenden Kuratoren muss ich anfügen, dass jeder der ursprünglich beteiligten Kunstexperten bestimmte Positionen zum Schluss vermisste - ein kaum lösbares Problem.

Wie lief überhaupt der Abwägungs-Prozess? Wurden Punkte verteilt wie beim Grand Prix?

Winzen: Nach dem ersten Treffen der Kunstexperten und der dort entstandenen "Wunschliste", auf der zunächst einmal alle Vorschläge gesammelt worden waren, wurde recherchiert, was überhaupt in der kurzen Vorlaufzeit ausgeliehen werden könnte.

Sie machen den Vorschlag, die Schau in zehn oder 20 Jahren zu wiederholen, um die Auswahl insbesondere der jüngsten Dekade zu überprüfen. Wie könnte dies gelingen?

Winzen: Schön wären ähnliche Bedingungen wie dieses Mal, nur eine etwas längere Vorbereitungszeit. Die Grundidee, über die "Bild"-Zeitung 60 Tage lang jeweils ein Werk aus den letzten 60 Jahren denjenigen nahe zu bringen, die vielleicht nicht so oft ins Museum gehen, ist es wert, wiederholt zu werden.

Es hat viel Kritik gegeben. Halten Sie die Entscheidung nach wie vor für richtig, die DDR-Kunst auszuschließen?

Winzen: Nicht jeder oberflächliche Kritikreflex, gerade in Berlin, basiert auf genauem Hingucken. Erstens sind etwa mit Gerhard Richter, A.R.Penck, Wolfgang Mattheuer, Neo Rauch und Christiane Baumgartner einige Künstler mit deutlichen ostdeutschen Wurzeln oder ostdeutschem Wohnsitz in der Ausstellung vertreten. Zweitens: Auch ohne direkte kuratorische Verantwortung hätte ich es nicht sinnvoll gefunden, die offizielle politische Geschichte zwischen BRD und DDR mit all ihren beidseitigen Verklemmungen und ihrer Funktionärsbürokratie auf der Ebene der Kunst noch einmal nachzuerzählen. Die Kunstgeschichte ist keine Illustration der politischen Geschichte.