München/Angelbachtal: Die Kirsche auf der Erbschaftstorte

München/Angelbachtal : Die Kirsche auf der Erbschaftstorte

Wer seinen Nachlass regelt, legt auch fest, wer was bekommen soll. Über ein Vermächtnis werden auch Freunde oder Verwandte bedacht, die sonst außen vor bleiben. Sogar Tiere können über ein sogenanntes Legat begünstigt werden.

(dpa) Vererben, vermachen. Bei der Verteilung des Nachlasses machen die meisten Menschen zwischen den beiden Worten keinen Unterschied. Den gibt es aber, etwa beim bürokratischen Aufwand. Ein Vermächtnis, auch Legat genannt, weist einige Besonderheiten auf.

Ein Legat ist zum Beispiel hilfreich, wenn in Patchworkfamilien Kinder aus früheren Beziehungen etwas vom Vermögen abbekommen, aber bei der Verteilung des Erbes nicht mitreden sollen. Oder wenn Freunde, Bekannte, Lebenspartner, Vereine, Kirchen und Tiere zum Zuge kommen sollen.

Anders als Erben müssen die so Bedachten weder Schulden aus dem Nachlass begleichen noch die mit dem Tod des Erblassers verbundene Bürokratie abwickeln, etwa einen Erbschein beantragen und die Wohnung auflösen.

Die Münchner Rechtsanwältin Julia Roglmeier vergleicht die Situation deshalb mit einer Sahnetorte. „Der Vermächtnisnehmer hat Anspruch auf die Kirsche obendrauf. Er nimmt sie, steht vom Tisch auf und geht.“ Um den Rest der Torte darf sich dann die erbende Verwandtschaft schlagen.

Der Erblasser ordnet testamentarisch an, wer was erhält. Das reicht von der Briefmarkensammlung über die Perlenkette und Fotos bis hin zu Immobilien, Aktien und Geld. Die zugedachten Dinge müssen präzise beschrieben werden. „Alles muss so eindeutig sein, dass jeder sofort weiß, was gemeint ist“, sagt der Notar Thomas Wachter aus München.

Bei der Perlenkette sind das zum Beispiel Angaben zu Länge und Farbe, bei Depots Nummer, Bank, Ansprechpartner, bei Firmen und Häusern Handelsregister- und Grundbuchauszug. Bei Geld wird entweder der genaue Betrag genannt oder eine Quote. Letzteres empfiehlt sich, wenn unklar ist, wie viel Geld jemand hinterlässt. „Nach Abzug aller Nachlassverbindlichkeiten erhält meine Nachbarin Else Müller von meinem verbliebenen Bankguthaben 20 Prozent“, könnte eine Formulierung lauten.

Doch wer kann eigentlich mit einem Vermächtnis bedacht werden? „Jede natürliche und juristische Person“, sagt Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Besonders gerne würden Legate genutzt, um Tiere zu versorgen, erklärt der Experte. Das geht nur indirekt: „Der Person meines Vertrauens wende ich ein Vermächtnis mit der Auflage zu, dieses für die Pflege meines Tieres zu verwenden.“ Zur Kontrolle werde ein Testamentsvollstrecker eingesetzt.

Auch Erinnerungsstücke kommen häufig über ein Vermächtnis in neue Hände. Pflegekräfte können allerdings nichts erhalten, dem stehen die Heimgesetze entgegen.

Damit Vermächtnisnehmer an das ihnen Zugedachte gekommen, müssen sie sich an die Erben wenden. „Von ihnen wird das Vermächtnis eingefordert“, erläutert Bittler. Dazu bleiben mindestens drei Jahre Zeit ab dem Ende des Jahres, in dem der Bedachte von dem Passus zu seinen Gunsten erfährt. Er muss die Erbschaftssteuer auf das Legat zahlen. Erben sind zur Herausgabe des Legats verpflichtet.

Wer Streit zwischen Erben und Vermächtnisnehmer vorbeugen will, setzt den Vermächtnisnehmer zum Testamentsvollstrecker in eigener Sache ein. „Er kann dann die ihm zugedachten Sachen an sich selbst herausgeben“, erläutert Roglmeier.

Auch Erben können mit Vermächtnissen bedacht werden. Der Fachbegriff heißt Vorausvermächtnis. Der oder die Erben erhalten das Zugedachte vorab zusätzlich zu ihrem Erbteil. Mit diesem wird das Legat nicht verrechnet, weil die Begünstigten das Vermächtnis wie die Kirsche vor Verteilen des Erb-Kuchens wegnehmen. So kann der Erblasser Einzelne gegenüber Miterben begünstigen. Der Wert eines einzelnen Vermächtnisses kann so hoch sein wie das Erbteil.

Mit dem Steuer-Vermächtnis kann beispielsweise Erbschaftssteuer gespart werden. Das bietet sich Roglmeier zufolge zum Beispiel bei einem sogenannten Berliner Testament an. Dabei setzen sich Ehepartner zunächst gegenseitig als Alleinerben ein. Die Kinder kommen erst nach dem Tod beider Elternteile zum Zuge. Die Eltern können jedoch über eine Vermächtnisklausel im Testament festlegen, dass der Überlebende den Kindern bereits beim ersten Erbfall ein Vermächtnis von maximal der Höhe des Erbschaftssteuerfreibetrags aus dem Nachlass auszahlt. Dies sind derzeit für Kinder 400 000 Euro. Nach dem Tod des zweiten Elternteils können Kinder diesen Freibetrag ein zweites Mal nutzen.

Es lauern aber auch durchaus Fehler beim Vermächtnis. Dazu fällt Jan Bittler sofort ein: „Den gesamten Nachlass nur über Vermächtnisse zu verteilen und nicht zu bestimmen, wer erbt.“ In der Praxis führe das zu Verwirrung. Es sei unklar, wen Bedachte ansprechen müssen, um ans Vermächtnis zu kommen. Auch Nachlassgerichte tun sich schwer. „Daher ist es ganz wichtig, auch Erben zu benennen“, sagt der Anwalt.

Notar Wachter erläutert: „Dinge ändern sich. Deshalb sollte ich überlegen, was zum Beispiel passiert, wenn der Bedachte vor mir stirbt und das im Testament regeln.“ Gleiches gelte für den Fall, dass ein zugedachtes Depot oder Konto nach dem Tod des Gebers leer oder nicht auffindbar sei. Vermächtnisse können jederzeit über Nachtrag oder Ergänzungen zum Testament geändert werden.

(dpa)
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