Die Halle wird zur Hülle

Die Halle wird zur Hülle

Seit 20 Jahren laden Bauherren und Architekten beim Tag der Architektur in Häuser und Freianlagen ein. In diesem Jahr können wieder 17 sehr unterschiedliche Objekte im Saarland besichtigt werden. Wir stellen den Neubau des Architektenbüros Brünjes in der historischen Federnschmiede in Burbach vor.

Wer das Architektenbüro Brünjes auf dem Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerkes der Deutschen Bahn in Burbach besuchen will, muss den Schienen folgen. Sie führen hinein in die historische Federnschmiede, wo von 1906 bis 1997 die Züge überholt wurden - und enden vor einer Glastür. Durch die betritt man einen 20 Meter breiten und 6,50 Meter tiefen zweigeschossigen Bau, der wie eine Schachtel mit großem vorderseitigem Schaufenster in den vorderen Teil der denkmalgeschützten Backsteinhalle platziert wurde. Die Halle wird zur schützenden Hülle für diesen futuristisch anmutenden "Raum im Raum". "Er schiebt sich gewissermaßen auf der Zeitachse zwischen die alten Strukturen des Denkmals", beschreibt es Architekt Oliver Brünjes, ein Purist, wenn es um die behutsame Integration neuer und alter Baustruktur geht. Denn das ,,Bauen im Bestand" verlangt dem Architekten viel Gespür für die Geschichte eines Gebäudes ab. "Man muss einem solchen Bauwerk seine Identität lassen. Der Respekt vor der alten Substanz ist ganz wichtig", sagt der erfahrene Architekt, der beispielsweise auch den denkmalgeschützten Saar-Landtag mit viel Liebe zum Detail erneuerte.

Brünjes' "Bauwaggon" in der alten Schmiede, in dem er mit seinem sechsköpfigen Team arbeitet, besticht durch seinen Purismus. Das Weiß der Wände, Regale und Decken, sowie der helle Terrazzoboden kontrastieren mit den alten, einst weiß gekalkten Backsteinwänden des historischen Gebäudes, die zur Rückwand der "Büro-Schachtel" geworden sind. "Wir wussten nicht, wie sich die Lichtverhältnisse hier drinnen tatsächlich entwickeln, deshalb so viel Weiß", erklärt Brünjes. Ein stimmiges Lichtkonzept ergänzt die offene, schlichte aber raffinierte Architektur. Tatsächlich hat man das Gefühl, draußen zu sein, blickt man vom Büro im zweiten Geschoss durch die Glaswand hinaus auf den kleinen Park und hinab auf den grauen Kies in der Halle, auf dem die quadratisch angelegten Streben der historischen Fenster gitterartige Schatten werfen, sobald die Sonne scheint. Dort, im Kies, hat Vera Burbach-Brünjes - ebenfalls Architektin - alte, verrostete Stahlträger zu einem Kunstwerk aufschichten lassen, an dem Richard Serra Freude gefunden hätte. Außergewöhnlich ist auch, welche Verwendung Brünjes für ein historisches rund vier Meter hohes doppelflügeliges Eisentor fand: Er integrierte den ,,Schrott" wie eine Skulptur in die Rückwand des Neubaus - samt Spinnweben, die der Reinigungsdienst keinesfalls entfernen darf. "Wir fanden es hier auf dem Gelände vor und wollten es unbedingt integrieren", erzählt der Detailverliebte. Eine mit Kies gefüllte Fuge zwischen historischer Backsteinwand und neuer Bausubstanz markiert den Übergang von Alt zu Neu. So wird die Geschichte in diesem überaus gelungenen Bauwerk nicht nur sichtbar, sondern greifbar.

Das Büro von Brünjes-Architekten (Saar-Lor-Lux-Straße 17a, Ausbesserungswerk Burbach) ist am Samstag zwischen 12 und 13 Uhr zu besichtigen.

Ein Blick von außen auf die historische Federnschmiede. Hier wurden in den Jahren zwischen 1906 und 1997 Züge instand gehalten.

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HintergrundInsgesamt 17 Objekte im Saarland können am Samstag und Sonntag besichtigt werden, darunter Ein- und Mehrfamilienhäuser, Bürogebäude, ein Gemeindezentrum, ein Krankenhaus, eine Sporthalle, aber auch das "Tor zur Biosphäre", ein Projekt der Landschaftsarchitektur. Informationen: www.aksaarland.de . App: mobil.tag-der-architektur esb

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