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Die große Sause im langen Schlauch

Saarbrücken. Was sich zu Beginn wie ein Konzert in einer bis zum Anschlag bestuhlten Mehrzweckhalle mit Minibühne ausnahm, endete in einer mitreißenden Sause. Das machte den für Großveranstaltungen dieser Art denkbar ungeeigneten Schlauchraum, "Werkstatt für Industriekultur" im ehemaligen Bergwerk Göttelborn genannt, erträglich

Saarbrücken. Was sich zu Beginn wie ein Konzert in einer bis zum Anschlag bestuhlten Mehrzweckhalle mit Minibühne ausnahm, endete in einer mitreißenden Sause. Das machte den für Großveranstaltungen dieser Art denkbar ungeeigneten Schlauchraum, "Werkstatt für Industriekultur" im ehemaligen Bergwerk Göttelborn genannt, erträglich.Melodien aus Gershwins Musical "Porgy and Bess" zu bieten, mag dazu verleiten, die beliebten Songs "Summertime" bis "It ain't necessarily so" abzuspulen. Von wegen. Gershwin lieferte das Material für eine Jazz-Quintett-Fassung: arrangiert von Pianist Michael Flügel und ausgeführt als Balanceakt zwischen Populärmusik und Jazz, ohne je ein Zugeständnis an gefühlstriefende Musicalwelten zu machen. Dafür sorgte Tenorsaxophonist Tony Lakatos, der in seinen schnellen präzisen Läufen Gershwins Melodien weitertrieb. Axel Schlosser, Trompeter in der Bigband des Hessischen Rundfunks und grandioser Gast, wie neulich erst mit Schlagzeuger Jean-Paul Hochstädter beim St. Ingberter Jazz-Festival, war auch hier mit seinen melancholischen Soli genau richtig. Thomas Heidepriem am Kontrabass komplettierte das Quintett. Ganz ohne Gesang kam auch diese Fassung von "Porgy and Bess" nicht aus. Mit Romy Camerun übernahm eine erfahrene Sängerin mit großer Stimme, in der sich viele Farben bekannter Frauenstimmen des Jazz spiegeln, den Part der Bess. Ihr zur Seite stand Miles Griffith, ein Showmann der besonderen Art, quirlig und jederzeit bereit, Worte zu Silben zu schreddern und wieder zusammenzusetzen. Derart eingestimmt, wurde aus dem Gershwin-Schmachtfetzen "Summertime" am Ende ein funkelndes Finale und ein einziges Vergnügen. sg