| 19:14 Uhr

EU, Nato und die USA
Die Freundschaft zu Europa ist für Trump nicht wichtig

Was hatten sich die Europäer nicht alles vorgenommen für ihr Treffen mit dem US-Präsidenten. Selbstbewusst wollten sie auftreten, klar Position beziehen, Donald Trump überzeugen - von guten Handelsbeziehungen, Klimaschutz und Freundschaft. Aber dafür hatte der Gast aus Washington kein Ohr, weder bei der EU noch in der Runde der Nato-Mitglieder. Trump beschwört und lamentiert nicht, er fordert. Für den Kampf gegen den Terror braucht er die Europäer, für seine Vorstellungen von Handel und Klimaschutz nicht. Mit Druck erreichte er die Zustimmung der Allianz, in den Kampf gegen den IS einzusteigen, obwohl dieser Schritt weder strategisch noch militärisch sinnvoll ist. Er bleibt ein Show-Effekt, mehr nicht.

Was hatten sich die Europäer nicht alles vorgenommen für ihr Treffen mit dem US-Präsidenten. Selbstbewusst wollten sie auftreten, klar Position beziehen, Donald Trump überzeugen - von guten Handelsbeziehungen, Klimaschutz und Freundschaft. Aber dafür hatte der Gast aus Washington kein Ohr, weder bei der EU noch in der Runde der Nato-Mitglieder. Trump beschwört und lamentiert nicht, er fordert. Für den Kampf gegen den Terror braucht er die Europäer, für seine Vorstellungen von Handel und Klimaschutz nicht. Mit Druck erreichte er die Zustimmung der Allianz, in den Kampf gegen den IS einzusteigen, obwohl dieser Schritt weder strategisch noch militärisch sinnvoll ist. Er bleibt ein Show-Effekt, mehr nicht.


Um es zugespitzt zu sagen: Im Zweifel ist dem US-Präsidenten ein Mann wie Recep Tayyip Erdogan lieber als Angela Merkel. Der türkische Präsident redet nicht, sondern schickt Bomber gegen Terroristen los. Während die deutsche Kanzlerin nachdenkt, abwägt und im Zweifel immer erst den Bundestag fragen muss, was sie tun darf. Das kennzeichnet das eigentliche Problem der neuen transatlantischen Beziehungen: Trump misstraut diesem undurchschaubaren europäischen Bündnis, in dem es stets Für und Wider gibt und sich deshalb wenig bewegt. Der einstige Unternehmer im Weißen Haus mag kein diplomatisches Geplänkel. Er will sagen, wo es lang geht - die Europäer dagegen wollen Partnerschaft und Kompromisse. Vielsagend war deshalb der behutsame Hinweis an die Staats- und Regierungschefs der Nato, ihre Redebeiträge auf zwei Minuten zu begrenzen. Trump hat im Grunde kein Interesse daran, zuzuhören und gemeinsame Linien zu finden. Es gilt das Prinzip: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Nicht nur die Nato, sondern auch die EU müssen sich also umstellen. Der US-Präsident sieht beide Allianzen nicht als traditionelle Partner, als historische Verbündete. Für ihn sind sie Instrumente des Prinzips "America first".

Europa wird sich schwer tun mit der Dominanz, die Trump für sich in der Welt beansprucht. Dabei kommt es nicht einmal überraschend, dass Washington seine Führungsrolle im Bündnis nun derart unverblümt beansprucht und dabei auf seinen hohen Beitrag am Nato-Budget verweist. Soll bitte niemand so tun, als wäre das transatlantische Verhältnis vor Trump gänzlich ungetrübt gewesen. Auch unter Barack Obama führten sich die Unterhändler der USA in Brüssel stets auf wie die Herren des Verfahrens. Doch am Ende des aktuellen Treffens ist klarer denn je: Entweder tritt die EU künftig selbstbewusster und vor allem einiger auf, um auf Augenhöhe mitzuspielen - oder sie bekommt auf der Weltbühne eine Nebenrolle zugeschoben. Trumps Partner sind andere. Russland, China, die Türkei, also die großen Player. Für ein demokratisch strukturiertes, vielfältiges und oft zerstrittenes Europa scheint da kaum noch ein Platz zu sein.