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Die Familie und der Tod: Neues, lesenswertes Jugendbuch

Saarbrücken. Ruth Rousselange

Jamies Familie ist erstarrt, seit sein Bruder Kit tot ist. Kit, der immer der Mutigere, Komischere, Dominantere der beiden war. Er hat sich umgebracht, in Jamies Gegenwart. Die pubertierende Schwester Emma sucht ihr Heil im Essen und in ihrer Religions-AG - die Beschäftigung mit der Bibel spendet ihr Trost. Die Mutter versucht sich durch ihre Arbeit als perfekte Hausfrau abzulenken, der Vater werkelt einsam im Schuppen vor sich ihn.

In ihrem ersten Roman "Kopfüber zurück" erzählt die Engländerin Rebecca Wait einfühlsam von einer Familie, die der Tod eines ihrer Kinder beinahe komplett zerstört. Urplötzlich kann jemand sterben, und die, die ihn geliebt haben, bleiben hilflos zurück - und wütend. Jamie, der mit Kit allein zu Hause war, als es passierte, erzählt seiner Familie die Wahrheit, dass Kit sterben wollte und ihn gebeten hat, ihm beizustehen. Was er auch tat. Das verzeihen ihm seine Eltern nicht: Sie werfen ihn heraus. Jamie versucht im fernen Sheffield allein zurecht zu kommen, er arbeitet in einer Buchhandlung, trinkt zu viel, schläft zu wenig, hört Kits Stimme und quält sich mit Erinnerungen.

"Kopfüber zurück" erzählt davon, wie die Krankheit Depression Menschen verändert und dass manchmal alle Hilfe vergeblich ist. Davon, wie Lebensziele und Ideale sich im Laufe der Zeit abschleifen und die Fähigkeit, füreinander Verständnis zu haben, oft von einer Generation zur nächsten verloren geht. So auch in Jamies Familie, bis beinahe eine neue Katastrophe passiert. Es braucht eben Mut oder viel Verzweiflung, um über den eigenen Schatten zu springen.

Rebecca Wait: Kopfüber zurück. Kein & Aber Verlag,

19,90 Euro.