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„Die Arbeit macht wieder Spaß“

Verleger Stefan Wirtz (vorne) mit seinem Team, hinten v.l.: Amelie Schröder, Tobias Raubuch (Lektorat), Christina Wolfrum (Assistentin des Verlegers) und Markus Dawo (Grafik). Foto: Conte
Verleger Stefan Wirtz (vorne) mit seinem Team, hinten v.l.: Amelie Schröder, Tobias Raubuch (Lektorat), Christina Wolfrum (Assistentin des Verlegers) und Markus Dawo (Grafik). Foto: Conte FOTO: Conte
St Ingbert. Am 6. April 2013 starb der Verleger Roland Buhles. Gemeinsam mit Stefan Wirtz hatte er den Conte Verlag 2001 in Saarbrücken gegründet. Seit einem Jahr führt Wirtz den Verlag alleine. Wie ist es ihm ergangen? Johannes Kloth

So weiß wie der Schnee der Berge, die Vater und Sohn in Martin Bettingers "Ein Galgen für meinen Vater" besteigen, so weiß glänzt auch das Cover des Buchs. Der Roman ist der Haupttitel im aktuellen Conte-Programm und hätte eigentlich auf den Einband des Verlagskatalogs gehört. "Aber Schnee und Frühjahrsprogramm, das passt einfach nicht", sagt Conte-Chef Stefan Wirtz lächelnd. Stattdessen wählte er die farbenfrohe Grafik eines Spanienkrimis, die einen angriffslustig galoppierenden Stier zeigt. Ein Symbol? "Ja, auch", sagt der 44-Jährige, "wir wollen zeigen, dass es nach vorne geht, dass wir wieder Gas geben."

Es ist ein Vitalzeichen, Monate nach Roland Buhles' Tod, der vergangenes Jahr große Betroffenheit in der Literatur- und Verlagsszene ausgelöst hatte. Wirtz' langjähriger Kompagnon und Freund war im Alter von nur 54 Jahren an Krebs gestorben. Wie benommen sei er gewesen, erzählt Wirtz. Monatelang. Jetzt sitzt er an seinem Schreibtisch in Oberwürzbach und sagt: "Die Arbeit macht wieder Spaß."

Rückblick: Lange Zeit war der Name Conte untrennbar mit dem Duo Buhles/Wirtz verbunden. Gemeinsam gründen sie den Verlag 2001 in den Räumen der eigenen Druckerei in Saarbrücken, diskutieren und kalkulieren über Jahre hinweg jedes Projekt zusammen, heuern Autoren an, weisen andere ab, entwickeln ein Profil, das von ambitionierten Kurzgeschichten eines Jörg W. Gronius über erfolgreiche Krimis eines Marcus Imbsweiler bis zu spektakulären Sachbüchern wie "Die Jamaika Clique" von Wilfried Voigt reicht.

Als Roland Buhles 2011 erkrankt, ist Conte - mittlerweile mit zwei Vollzeit-Mitarbeitern - zur wichtigsten verlegerischen Adresse in der Region avanciert und gerade in den Freundeskreis der renommierten Kurt-Wolff-Stiftung aufgenommen worden. Es beginnt eine eine Zeit voller Unsicherheiten, auch geschäftlich: Buhles fällt immer häufiger aus, worunter vor allem das Geschäft der Druckerei leidet. Es müssen Entscheidungen getroffen werden. "Ich wusste, dass ich auf keinen Fall alleine die Druckerei und den Verlag führen will", erzählt Wirtz. Als bei Buhles, der zeitweise fast geheilt schien, 2012 der Krebs zurückkehrt, ist ein Radikalschnitt unausweichlich: Die Verleger trennen sich von der Druckerei, das Team zieht nach Oberwürzbach - ins leere Dachgeschoss in Wirtz' Elternhaus. Kosten reduzieren, wo es geht und volle Konzentration auf die Verlagsarbeit, lautet die Devise. "Wir waren nicht reich, standen aber solide da", resümiert Wirtz und weiß heute, wie wichtig die strukturellen Veränderungen waren: Als Roland Buhles stirbt, ist die Trauer riesig, aber "es hat uns, was den Verlag angeht, nicht den Boden weggezogen", sagt er.

Neue Heimat Oberwürzbach

Mittlerweile sind die gemütlichen 65-Quadratmeter im Oberwürzbacher Wohngebiet den Conte-Mitarbeitern zur neuen Heimat geworden. "Es hat sich nicht als Nachteil herausgestellt, dass wir in die Provinz gezogen sind", sagt Wirtz. Mit "wir" meint er sein Team: Assistentin Christina Wolfrum, die ihn "unglaublich gut" unterstütze, Grafiker Markus Dawo, eine Sekretärin auf Minijob- und zwei Lektoren auf 450-Euro-Basis. Über mangelnde Arbeit können sich die fünf wahrlich nicht beklagen: Gerade erst haben sie auf den Buchmessen in Homburg, Leipzig und Neckarsteinach ihr Programm präsentiert. Daneben mussten Lesungen organisiert und die "normale" Verlagsarbeit erledigt werden: Monat für Monat flattern 40 bis 80 Manuskripte auf den Schreibtisch von Assistentin Wolfrum, die eine Vorauswahl trifft, bevor die Lektoren einzelne Titel genauer unter die Lupe nehmen und in einer "Lektorenkonferenz" vorstellen. Bis zu einer Veröffentlichung schaffen es zehn bis 15 Manuskripte pro Jahr.

Konzeptionell will Stefan Wirtz an der bewährten Conte-Mischung festhalten - mit Titeln, die kommerziell erfolgreich sein müssen und anderen, die vor allem Herzenssache sind. Und natürlich soll die Region weiter eine große Rolle spielen. Das aktuelle Programm mit dem Bettinger-Roman, einem Elsass-Krimi von Lilo Beil und einer Röchling-Biografie von Dieter Gräbner hätte sicher auch Roland Buhles gefallen. Auf eine Art, erzählt Wirtz, sei er auch noch immer an Entscheidungen beteiligt: "Manchmal führe ich einen inneren Dialog, überlege, was Roland wohl sagen würde." Ob er sich vorstellen kann, wieder einen Co-Gesellschafter mit ins Boot zu holen? "Ich suche keinen", sagt Wirtz, "aber wenn sich was ergibt…"

conte-verlag.de