Die Apokalypse kommt im Flüsterton daher

Die Apokalypse kommt im Flüsterton daher

Ihr 25-Jähriges feiert die Saarbrücker Sommermusik dieses Jahr. Das Motto der Jubiläumsausgabe stammt vom Dichter Paul Celan: „Das Fremde hat uns im Netz". Zum Auftakt gab's am Samstag das von Ralf Peter konzipierte beeindruckende Live-Projekt „Das Ende der Zeit“ zu erleben.

Mit einem stimmigen Abend ist die Reihe Saarbrücker Sommermusik in ihre diesjährige Ausgabe gestartet. "Das Ende der Zeit" hieß es am Samstag in der gut besuchten Christuskirche am Rotenbühl. Ralf Peter (Konzept, Rezitation) hatte um Olivier Messiaens "Quartett auf das Ende der Zeit" ein audiovisuelles Live-Projekt (Krischan Kriesten, Technik) gestrickt. Messiaens Opus, inspiriert durch die "Offenbarung des Johannes", entstand in einem Kriegsgefangenenlager und verdankt seine ungewöhnliche Besetzung den dortigen Möglichkeiten.

Die Saarbrücker Interpreten Reiner Kuttenberger (Klarinette), Ausra Blondel (Violine), Julien Blondel (Cello) und Kaori Nomura (Klavier; Messiaens Part bei der Uraufführung) ließen es weder an Verve in den rhythmisch vertrackten Passagen noch an gesanglichem Ausdruck bei den lyrisch geprägten Soli fehlen. Mal forciert atemlos, mal schauerlich flüsternd die Apokalypse aus dem Bibeltext lesend, schürte Peter auf seine exaltiert-expressive Art knisternde Spannung.

Die Zuschauer-Blicke waren in einen Nebenraum gerichtet, an dessen Ende die Zeichnungen Katja Romeykes projiziert waren. Die enthielt sich illustrierender Vordergründigkeit, ihr visueller Beitrag war am stärksten, wenn man den abstrakten und dennoch organischen Pinselschwüngen live zur Musik folgen konnte. Greifbar wurde da die Thematik des Abends: ein Versuch über das Phänomen Zeit. Eine atmosphärische Nebenrolle spielte die durch die Mosaikfenster der Kirche in den Raum herab sinkende Dunkelheit. Dem "Kirchenfenster-Effekt" der plastisch inszenierten Messiaen'schen Musik war es zu verdanken, dass auch weniger religiöse Zeitgenossen bei aller Weltuntergangs-Düsternis zuversichtlich applaudieren konnten: Messiaens Kunst atmet Optimismus.

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Auf einen BlickDie nächsten Sommermusik-Termine: Freitag, 20 Uhr, Kleines Theater im Rathaus: Lutz Wichert Trio; Samstag, 18.30 Uhr, Innenhof Stadtgalerie: Deep Schrott plays Dylan & Eisler; 28. Juli, 17 Uhr, Alte Kirche St. Johann: Bruch-Quartett; 1. August, 20 Uhr, Stadtgalerie: Trio Shots & Coups (vorher, 19.30 Uhr: Führung mit Anahita Razmi); 2. August, 20 Uhr, Theater im Viertel: Matthias Schubert. uhr saarbruecken.de