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Dichten hält die Liebe frisch

Saarbrücken. Der Saarbrücker Satiriker Roland Stigulinszky hat seiner Frau Bruni und sich zur Eisernen Hochzeit einen Band voller Liebesgedichte geschenkt. Nicht in jeder Zeile hohe Literatur, aber stets berührend. Oliver Schwambach

Ist man jung, schreibt man sich ja gern Gedichte . Früher war das zumindest so. Bei Liebeleien via WhatsApp oder SMS beschworen, verkürzt sich das heute meist auf zwei, drei Herzchen. Aber bleiben wir mal beim Schreiben, das noch das gesamte Alphabet nutzt: Da war es dann doch halt so, dass mit den Jahren sich oft nicht nur die Liebe , sondern auch die Worte verflüchtigten. Wer als Jüngling noch betörend reimte, dem fiel im Alter nichts mehr ein. Außer dem Satz: Zusammen schweigen ist ja auch schön.

Umso köstlicher ist es, wenn der Angetraute einem auch nach 65 Jahren noch was dichtet. Und dann gleich ein ganzes Buch voll. Roland Stigulinszky hat es nun für seine Frau Bruni getan - und für alle anderen, die es lesen mögen. "Eiserne Hochzeit " heißt der neueste, wie stets im Selbstverlag "Auer-Sällef" erschienene Streich des Saarbrücker Autors, Grafikers und Zeichners. Und der Untertitel, "Rostfreie Gedichte ", lässt ahnen: Schelm bleibt Schelm, selbst wenn Haar wie Bart längst schlohweiß sind.

Wie sich das nun liest? In etwa so: "Alte Liebe ist Lebensnährstoff/ wie der Mist". So endet, reichlich irdisch, eines seiner allerjüngsten Werke, nachdem es doch himmlisch losging: "junge Liebe ist die Krume/ für des Daseins schönste Blume". Aber wer einen Satiriker ehelicht, erwartet wohl nicht, dass aus aller Lyrik romantisch blaue Blumen treiben. Vielleicht ist ja Ironie auch der beste Rostschutz für Gedankenschärfe. Stigulinszky jedenfalls fabuliert auch mit 89 noch mit unstillbarer Lust am Wortspiel.

Gewiss, manchmal bleibt "stig", so sein Signum unter seinen Zeichnungen, wenn er auf seiner Schreibmaschine tippt, doch an der Oberfläche. Im Haiku "Die Gegensätze,/ wie zum Beispiel Frau und Mann,/ ziehn sich an und aus." böllert die Pointe wie ein Knallfrosch zu Silvester. Und nichts bleibt. Doch wenn er über das Alter und was es mit zwei Menschen macht, die sich immer noch nahe stehen, räsoniert, berührt die Lektüre. "Die Jahre hoher Flüge sind vergangen./ Die kleine Insel blüht/ in Weiß und Gelb und Rot/ für dich, die Deine und/ für die geliebten Andern./ Nichts ist von Dauer."

Persönlicher denn je ist dieses Mal die Zeilenlese aus dem Zettelkasten ausgefallen, den Roland Stigulinszky Tag für Tag neu füttert. Viel erfährt man über ein ganz besonderes Paar, über eine auch mal stürmische Liebe . Bisweilen schleicht sich Angst vor Krankheit, ernstlicher Gebrechlichkeit ein, doch dann gibt es auch die Verse, die das auffangen: "Ich denk am Ende:/ Ein Weilchen noch bleiben/ Lesen und Schreiben/ Gemählich treiben/durch die Jahres des Heute und Hier/ mit Dir." Einfach schön.

Roland Stigulinszky: "Eiserne Hochzeit . Rostfreie Gedichte ". SCW Auer Sällef, 128 Seiten, 12 Euro. Der Privatdruck ist beim Autor, Rußhütter Straße 10, 66113 Saarbrücken , erhältlich.