Dialektverwirrung beim Filmfestival Max Ophüls Preis

Kolumne Ophüls-Tagebuch : Schwizerdütsch und Mapudungun

Was wäre das Festival für den deutschsprachigen Nachwuchs ohne die ganzen schönen Dialekte? Und was erst ohne Untertitel? Kaum auszudenken ...

Die ersten Werke junger Regisseurinnen und Regisseure zu besprechen, kann hart sein. Vor allem, wenn man kaum die Hälfte davon versteht – und das bei einem Festival für den deutschsprachigen Nachwuchs. Doch was heißt hier „deutschsprachig“?! Nehmen wir nur mal die Schweiz. Bei den Eidgenossen wird Schweizerdeutsch, Italienisch, Französisch und Rätoromanisch gesprochen. Und der Schweizer Dialekt ist nicht etwa eine Art Hochdeutsch mit einem Akzent, sondern eine ganz eigene Sprache. Haben Sie mal einen Film in Schweizerdeutsch oder Schwizerdütsch oder Schwizertütsch ohne Untertitel gesehen? Ich schon. Jede Menge. Man gewöhnt sich dran und lernt dazu. Auch wenn es das Schweizerdeutsch gar nicht gibt, aber dafür über 20 Dialekte. Einer meiner Lieblingsfilme, „Höhenfeuer“ von Fredi M. Murer, der 1986 den Spezialpreis der Ophüls-Jury gewann, wurde auf einer Hütte in Uri gedreht, in Urner Dialekt. Zum Glück sprachen die Bilder für sich. Sei’s drum. Nach über 30 Jahren Festival kann mich nichts mehr erschüttern. Würde ein Festivalbesucher aus der Schweiz fragen: „Wo kann ma am Obet guat in Usgang goh?“, wäre das kein Problem. Diesmal allerdings schon, denn zurzeit kann man abends nicht ausgehen.

Inzwischen gibt es bei den Festivalfilmen oft Untertitel, wenn es allzu schwierig wird. Dieses Jahr zum Beispiel in „Der Wert der Erde“, der in Chile gedreht wurde, mit dort lebenden Mapuche, die Mapudungun sprechen und singen. Das klingt wunderschön.