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Deutschlands Elite findet Schwarz-Gelb wieder gut

Berlin. Angela Merkel feierte gestern ihren 59. Geburtstag. Von SZ-KorrespondentStefan Vetter

Mit einem ganz besonderen Geschenk wurde die Bundeskanzlerin dabei von den Führungskräften der Republik bedacht: 90 Prozent der Eliten sehen nach einer aktuellen Allensbach-Umfrage in der CDU-Politikerin eine "starke" Regierungschefin. Ein überwältigendes Ergebnis, wie man es bislang nicht kannte. Dabei hatten sich die Top-Entscheider von Merkel und ihrer schwarz-gelben Koalition eigentlich schon innerlich verabschiedet.

Der Juni 2011 markierte den Tiefpunkt von Merkels Ansehen. Bei der regelmäßigen Allensbach-Erhebung unter deutschen Geschäftsführern, Vorstandschefs sowie Spitzen-Politikern und -Beamten von Bund und Ländern gaben damals 58 Prozent an, dass Merkel eine schwache Regierungschefin sei. Seinerzeit hatten die Eliten der Kanzlerin vor allem die abrupte Energiewende verübelt und darin ein großes Glaubwürdigkeitsdefizit gesehen. Zwei Jahre später ist das offenbar vergessen. Nach der aktuellen Befragung durch die Demoskopen vom Bodensee empfinden nur noch acht Prozent Merkel als schwache Figur. Und auch Schwarz-Gelb feiert ein erstaunliches Comeback. Noch im Herbst des vergangenen Jahres setzten fast 80 Prozent der Top-Entscheider auf eine große Koalition nach der nächsten Bundestagswahl. Heute, knapp zehn Wochen vor dem Urnengang, wünschen sich fast drei von fünf Befragten eine Neuauflage des christlich-liberalen Bündnisses.

Der Wind hat sich gedreht. Allerdings wohl nicht deshalb, weil Union und FDP plötzlich so toll geworden sind, sondern mangels einer in den Augen der Eliten akzeptablen Alternative. SPD und Grüne müsste das eigentlich nicht weiter kümmern. Die Zahl der Top-Entscheider ist gelinde gesagt überschaubar und für den Wahlausgang im Herbst rein rechnerisch ohne Belang.

Das Problem ist nur, dass viele im Rest der Bevölkerung ein ähnliches Wechselbad der politischen Gefühle erleben. Noch vor ein paar Monaten war die FDP nur auf Umfragewerte unter der Fünf-Prozent-Marke abonniert. Mittlerweile genügt es schon, dass die Liberalen nicht weiter auffallen, um bei den Demoskopen besser abzuschneiden. SPD und Grüne müssen sich fragen lassen, ob sie mit ihrer Forderung nach Steuererhöhungen wirklich auf das richtige Pferd gesetzt haben. 2005 verfuhr die Union genauso und wäre deshalb fast gescheitert. Nicht, dass die Bürger die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich unberührt ließe. Im Gegenteil: Das Thema Gerechtigkeit steht weiter hoch im Kurs. Angesichts immer neuer Rekorde bei den staatlichen Steuereinnahmen wirkt es allerdings nicht unbedingt überzeugend, noch weiter an der Steuerschraube zu drehen.

So stellen SPD und Grüne jetzt einen neuen Aufreger in den Vordergrund ihres Wahlkampfs: den Späh-Skandal des US-Geheimdienstes NSA. Doch müssten beide Oppositions-Parteien von der Mega-Aktion ebenfalls einiges wissen, als sie noch in Regierungsverantwortung waren. Auch dieser Schuss könnte für Rot-Grün nach hinten losgehen.

Für beide Parteien kommt erschwerend hinzu, dass eine überwältigende Mehrheit von 83 Prozent der Führungskräfte Merkel eine "gute Arbeit" beim Euro-Krisenmanagement bescheinigt. Wohl auch deshalb ist die "Alternative für Deutschland" bei den Eliten unpopulär. Gut 90 Prozent gehen davon aus, dass es die Partei der Euro-Skeptiker nicht in den neuen Bundestag schafft.