Deutsche werden reicher – Reallöhne und Geldvermögen steigen

Deutsche werden reicher – Reallöhne und Geldvermögen steigen

Auch wenn die Konjunktur schwächelt: Die Deutschen haben immer mehr Geld. Vom Anstieg der Geldvermögen profitieren aber nur wenige. Denn das Gros der Sparer scheut Aktien.

Die Bundesbürger werden immer reicher: Das Geldvermögen erklimmt neue Höchststände, und auch die Arbeitnehmer in Deutschland haben mehr Geld in der Tasche. Doch ihre Vorliebe für sichere Sparanlagen kostet die Deutschen viel Geld: Nach einer Studie der Allianz hat die Niedrig-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) den deutschen Sparern seit 2010 Zinsverluste von 23 Milliarden Euro eingebrockt. Hingegen hätten Privathaushalte in Ländern wie Spanien, Griechenland oder Portugal beträchtlich von der Krisenstrategie des billigen Geldes profitiert, sagt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise gestern bei der Vorlage des "Global Wealth Reports". Denn Schuldnern spielen niedrige Zinsen in aller Regel in die Karten, während Gläubiger die Verlierer sind.

Zu der Entwicklung tragen die Deutschen aus Sicht der Experten aber auch selbst mit bei. Denn in den unsicheren Krisenjahren stecken die Europameister im Sparen immer mehr Geld in vermeintlich sicherere kurzfristige Bankeinlagen. Das wirft kaum Renditen ab, abzüglich der Inflation bleibt unterm Strich ein Verlust. Zudem meiden Deutsche nach einer Reihe negativer Erfahrungen anders als etwa US-Amerikaner Aktien, obwohl die Kursfeuerwerke der vergangenen Jahre Haupttreiber für den Anstieg privater Geldvermögen in aller Welt waren. Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank hat sich der Wert deutscher Aktien gemessen am Leitindex Dax seit 1988 bis Ende August 2014 knapp verzehnfacht. Davon profitierten aber immer weniger Privathaushalte: Ende Mai hielten die privaten Haushalte 11,8 Prozent der deutschen Aktien, 2011 waren es noch 13,1 Prozent. Es scheine, als ob die deutschen Sparer immer noch im Krisenmodus verharrten und Anlageentscheidungen eher vermeiden wollten. Das sei ein Fehler, sagt Heise : "Abwarten heißt, Geld zu verschenken. Sechs Jahre nach Lehman ist es höchste Zeit, wieder langfristig zu denken und zu investieren."

Trotzdem wuchs auch in Deutschland das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen. Zum Vorjahr nahm es um 4,0 Prozent auf den Rekordwert von 5,15 Billionen Euro zu - vor allem wegen der Wertgewinne bei Aktien. Auch im ersten Quartal dieses Jahres vermehrte sich das Vermögen: Es stieg nach Zahlen der Bundesbank um vier Prozent auf 5,207 Billionen Euro.

Doch nicht nur die Vermögen nehmen zu. Normale Lohnsteigerungen bei einer gleichzeitig niedrigen Inflation haben zu deutlich höheren Reallöhnen geführt, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Sie lagen im zweiten Quartal 1,2 Prozent über dem Wert von vor einem Jahr. Während die nominalen Löhne inklusive Sonderzahlungen mit 2,3 Prozent nur geringfügig schneller stiegen als üblich, lag die Preissteigerung mit 1,1 Prozent deutlich unter dem Mittelwert der vergangenen fünf Jahre von 1,5 Prozent. Die durchschnittlich höchsten Monatsgehälter für Vollzeitbeschäftigte werden bei Banken und Versicherungen mit 4689 Euro brutto gezahlt. Am wenigsten Geld gibt es im Gastgewerbe mit 2109 Euro, der deutsche Durchschnitt liegt bei 3518 Euro ohne Sonderzahlungen .

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