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Deutsche Konzerne lieben es englisch

Saarbrücken. Wer die Geschäftsberichte der 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) lesen will, muss mehrere 100 Wörter Englisch beherrschen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Universität des Saarlandes (Betrachtungsjahr 2009) jetzt vorgestellt hat

Saarbrücken. Wer die Geschäftsberichte der 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) lesen will, muss mehrere 100 Wörter Englisch beherrschen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Universität des Saarlandes (Betrachtungsjahr 2009) jetzt vorgestellt hat. "Es hat sich eine Unsitte breitgemacht, die vermutlich gesetzeswidrig ist", meint IWP-Direktor Professor Michael Olbrich (Foto: IWP). "Denn das Handelsgesetzbuch schreibt vor, dass der Jahresabschluss in deutscher Sprache und in Euro aufzustellen ist."Besonders viele englische Begriffe verwenden Dax-Unternehmen, die den Namen "Deutsche" in ihrem Firmentitel tragen - wie Deutsche Bank, Deutsche Börse, Deutsche Telekom oder Deutsche Post. Die Deutschbanker rangieren laut dieser Studie in der Liste der Englisch-Sünder ganz oben. In deren Geschäftsbericht liegt der Anteil der englischen Begriffe bei 5,65 Prozent aller benutzten Vokabeln. Die Gesamtzahl der englischen Wörter addiert sich auf 8724. Wer den Bericht der Deutschen Bank verstehen will, "muss insgesamt 391 englische Vokabeln beherrschen". An zweiter Stelle liegt der Traditionskonzern Siemens. Die wenigsten englischen Begriffe werden im Geschäftsbericht des Düngemittel- und Salzkonzerns K+S (Kali + Salz) verwendet. Hier finden sich pro Seite nur 1,77 englische Vokabeln und insgesamt lediglich 1651 englischsprachige Wörter. Sparsam bei der Verwendung der englischen Sprache sind auch der Sportartikel-Hersteller Adidas und der Stahlkonzern Salzgitter. Den Vogel schoss die Volkswagen AG ab. "In ihrem Geschäftsbericht findet sich jeweils im Anhang des Einzel- und im Anhang des Konzernabschlusses eine vollständig auf Englisch verfasste Verlautbarung", erläutert Olbrich. Eine deutsche Übersetzung suche man vergebens.


Besonders ärgert es Olbrich, dass es für viele englischsprachige Begriffe "sehr gute deutsche Wörter gibt". Als Beispiel nennt er "fair value", was im Deutschen dem "Zeitwert" gleichzusetzen ist. "Außerdem hat ,fair value' wenig mit fair zu tun", kritisiert er. Der Zeitwert sei eine "temporäre und damit vergängliche, flüchtige Größe". Für den oft verwendeten Begriff "cash flow" schlägt der Saarbrücker Hochschullehrer das deutsche Wort "Umsatzüberschuss" vor. Manche Unternehmen verwenden am Ende des Berichts Glossare, wo sie englische Begriffe ins Deutsche übersetzen. "Doch die meisten sind unvollständig", haben die Forscher der Saar-Uni festgestellt.

Das IWP fordert die Wirtschaftsprüfer auf, die Unternehmen darauf hinzuweisen, "dass sie mit solchen Geschäftsberichten gegen das Gesetz verstoßen". Sie müssten darauf dringen, "dass die rechtlichen Vorschriften durchgesetzt werden". low