| 00:00 Uhr

Deutsche Bank fällt bei US-Stresstest durch

Washington. Deutschlands größtes Geldhaus hat schon genug Probleme. Nun ist auch noch eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank durch den Stresstest der US-amerikanischen Finanzaufseher gefallen. Agentur

Deutschlands größtes Geldhaus gerät in Amerika weiter unter Druck. Die US-Tochter der Deutschen Bank hat den zweiten Teil des jährlichen Stresstests der amerikanischen Notenbank nicht bestanden, wie die Fed am Mittwochabend nach Börsenschluss mitteilte. Die eingereichten Kapitalpläne seien wegen "qualitativer" Bedenken abgelehnt worden. Das bedeutet, die Aufseher zweifeln nicht an der Finanzausstattung des Instituts. In einem heftigen Krisenszenario dürfte das Institut also gewappnet sein. Problematisch sei das Risikomanagement . Deshalb hatte die Fed die Deutsche Bank in der Vergangenheit bereits kritisiert. Das Institut nahm das erste Mal an der Prüfung teil. Auch die US-Gesellschaft der spanischen Banco Santander bestand die zweite Runde des Stresstests nicht. Die Bank of America wurde nur unter Vorbehalt von den Kontrolleuren durchgewunken. Alle anderen 28 geprüften Großbanken erhielten grünes Licht von der Fed.

Eine Sprecherin der Deutschen Bank erklärte, das Institut sehe sich verpflichtet, die beanstandeten Prozesse zu verbessern. Die Bank habe vor diesem Hintergrund bereits eine Investitionsoffensive im Wert von einer Milliarde Euro angekündigt. Als Teil davon seien in den USA schon 500 Mitarbeiter für diverse Kontrollfunktionen eingestellt worden. Für die Institute geht es bei den Tests um Milliarden, denn vom Urteil der Aufseher hängen unter anderem Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe ab.

Die Deutsche Bank hat damit in den USA noch ein Problem mehr. Der deutsche Bankenprimus ächzt dort unter diversen rechtlichen Konflikten: Die Vorwürfe reichen von dubiosen Hypothekendeals über Marktmanipulationen bis hin zu Steuerhinterziehung und Ermittlungen wegen illegaler Geschäfte mit "Schurkenstaaten" wie Iran, Sudan oder Kuba.

Die 2009 eingeführten Stresstests der Fed sollen sicherstellen, dass sich eine Finanzkrise wie nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers vor mehr als sechs Jahren nicht wiederholt. Die Fed prüft die Robustheit der Banken, indem sie ein Krisenszenario durchspielt, bei dem es zu einer tiefen Rezession und einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf über zehn Prozent kommt.


Meinung:

Ansehen geht verloren

Von SZ-RedakteurVolker Meyer zu Tittingdorf

Ein peinliches Resultat für die Deutsche Bank - zumal sie den Anspruch erhebt, in einer Liga mit US-Giganten wie Goldman Sachs oder JP Morgan agieren zu wollen. Die Aufseher attestierten dem deutschen Branchenprimus ausgerechnet in einem Kernbereich der Bank, dem Risikomanagement , erhebliche Mängel. Das bedeutet einen erheblichen Ansehensverlust. Außerdem muss sich das Institut ja noch mit einer Fülle von Rechtsstreitigkeiten wegen schwerer Verfehlungen in der Vergangenheit herumschlagen. Die Deutsche Bank hat noch viel zu tun, um den eigenen hohen Ansprüchen gerecht zu werden.