Deutsche Autobauer in Krisenangst

Deutsche Autobauer in Krisenangst

Die Geschäfte der deutschen Autoindustrie laufen. Sie verkauft und verdient gut. Doch die Weltlage ist unsicher. Und dann ist da noch der VW-Abgasskandal.

Ein "steiniger Weg", "Gegenwind", sogar "Stürme": Wenn es um die Zukunft geht, spart die deutsche Autoindustrie nicht mit unheilvollen Bildern. Dabei laufen die Geschäfte: Weltweit hatten die deutschen Hersteller erstmals rund 15 Millionen Autos gebaut, davon 5,7 Millionen in Deutschland; allein bis September wuchs der Branchenumsatz um elf Prozent auf 300 Milliarden Euro; und in Deutschland sind bis Ende November 2,96 Millionen Autos neu zugelassen worden - plus fünf Prozent.

"Für uns ist das kein Grund, in Jubelgesänge auszubrechen", sagt Matthias Wissmann , Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Dieses Mal sind nicht nur die üblichen weltwirtschaftlichen Unsicherheiten der Grund: Der VW-Abgasskandal sitzt Zulieferern und Herstellern in den Knochen. Der Wind, der ihnen entgegenbläst, trägt auch eine Dieselwolke mit sich.

Nach mehr als zwei Monaten Dauerskandal wird man dünnhäutig: "Vorurteile", entfährt es dem Cheflobbyisten mehrfach, als er in Berlin die Jahreszahlen präsentiert. Auch wenn VW beim Ausstoß von Stickoxid (NOx) manipulierte und beim Kohlendioxid schummelte - "irgendeine Kollektivhaftung" dürfe es nicht geben. Weder hätten andere Hersteller gemogelt, noch habe der Verband der Automobilindustrie auf die Behörden eingewirkt.

"Dieser Missbrauch hat Vertrauen gekostet - in das betroffene Unternehmen, in die gesamte Branche und nicht zuletzt in die Dieseltechnologie." Noch sei kein Einbruch bei den Dieselverkäufen in Deutschland festzustellen. Näheres könne man aber erst im nächsten Jahr sagen. Denn viele Autos werden schon Monate vor der Auslieferung bestellt.

Eine Welt mit weniger Diesel wäre ein unwirtlicher Ort für die deutschen Autobauer, die weltweit jeden fünften Neuwagen verkaufen. Der Antrieb hat sie reich gemacht, besonders in Westeuropa. Dort ist jeder zweite Neuwagen ein Diesel , die Hälfte davon aus deutscher Produktion.

Mit Blick in die Zukunft ist es nicht nur der VW-Skandal, der die Branche umtreibt. Sie fürchtet steigende Energiepreise, argwöhnt, dass die Bundesregierung ihr bei Zeitarbeit und Werkverträgen das Leben schwer machen wird, und sie sieht die in den vergangenen Jahren gestiegenen Löhne und Gehälter in Form von Lohnstückkosten inzwischen als Strukturschwäche.

Für 2016 rechnet der Verband VDA mit einem stabilen Auto-Markt in Deutschland. Die Zahl der Neuzulassungen werde von 3,17 auf 3,2 Millionen zulegen, was einem Wachstum von rund einem Prozent entspreche. Der Markt sei gesättigt und lebe zum großen Teil davon, dass Firmen ihre Fuhrparks erneuern.

Matthias Wissmann , Präsident des Verbandes der Automobil-

industrie

Mehr von Saarbrücker Zeitung