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Der Zorn auf die da oben

Saarbrücken. Am Samstag tritt die Saarbrücker Band Krawallbrüder im E-Werk auf. Die Band ist umstritten – wir haben uns das neue, kommerziell sehr erfolgreiche Album „Venganza“ angehört und uns auch die Texte genauer angesehen. Tobias Kessler

Kontrovers ist sie, die Saarbrücker Band Krawallbrüder. Manche halten sie für eine Gruppe, die weit rechts steht, andere halten diese Kritik für ein Produkt der sogenannten "Lügenpresse". Die Band selbst bezeichnet sich als unpolitisch und weist alle Vorwürfe, mit der rechten Szene zu sympathisieren, zurück. Das neue Album "Venganza" ist auf Platz drei der deutschen Charts eingestiegen - es trifft offensichtlich einen Nerv.

Musikalisch bietet es kompetenten Punkrock und Mitgröhl-Refrains. Die Musik ist hart, schnell und zelebriert mit großer Pose viel Wut und Zorn. Aber Zorn gegen wen? Das bleibt vage. Ein diffuses "Wir gegen die da oben" zieht sich durch die Texte, die gerne das große Wort führen: Schmerz, Freiheit, Leid, Fügung, Freude. Unbeirrbar gehe man seinen Weg, betonen die Texte immer wieder - aber wohin? "Kein Kompromiss, kein Schritt zurück", "mit dem Schädel durch Beton, bis der zerbricht", "unsere Gedanken bleiben frei, die Seele überlebt den Leib" heißt es im Stück "Nicht therapierbar". Da verbinden sich Pathos, Rebellenpose und Holzhammerlyrik zu einem Polit-Wischiwaschi, das man von links wie von rechts goutieren kann, so substanzfrei ist es letztlich. Die Politik ist für die Band an allem schuld, da sie "das dumme Volk außen vor" lässt, heißt es in dem Lied "Jetzt aber Klartext". Denn die Politik habe a) "die Fakten volksgerecht zensiert" und b) "scheinbar voll und ganz vergessen, uns objektiv zu informieren". Also ist es "Zeit, zu reagieren" (...), wie es weiter heißt, "der kleine Mann, den Stein fest in der Hand, fest entschlossen durchzudrehn".

Dass die Band sich gleichzeitig unpolitisch nennt und behauptet, Extreme abzulehnen, wirkt da wenig glaubhaft. Das klingt weniger wie musikgewordene Politikverdrossenheit , sondern nach Hass auf "die da oben". Die Perspektive ist die des Frustrierten, der glaubt, zu kurz gekommen zu sein: "Nur einmal im Leben will ich all das, was mir gefällt / nur einmal im Leben das verdammte Stück vom Glück endlich kassier'n". Die Texte errichten den Popanz eines bösen Systems, das einen partout nicht in Freiheit agieren lässt, als lebten wir in einer Diktatur . "Es wird Zeit zu reagieren, wenn du in Frieden leben willst", behauptet das Titelstück, denn "eure Freiheit" ist mit "Stacheldraht gestrickt" und die Gerechtigkeit "vom Kapital gefickt", aber "wir werden ja sehen, was passiert", wenn "die Maske fällt".

Das alles bleibt so vage und allgemein, dass sich hier jeder wiederfinden kann, den irgendwann einmal der Zorn auf "die da oben" gepackt hat. Das ist wohl auch das Kalkül der Krawallbrüder, so in jedem Spektrum ihr Publikum zu finden.

Krawallbrüder: Venganza (KB-Records/Tonpool). Konzert: Samstag, 20 Uhr, E-Werk (Sb).