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Der Weg, das Ziel, die Liebe: Die Erzählung „Der salzige Fluss“

Ist die Liebe eine Himmelsmacht? Oder manchmal auch eine wohlige Illusion, die sich aus eigener Sehnsucht speist? Der Band „Der salzige Fluss“ schickt einen sensiblen Wanderer auf Sinnsuche. tok

Die Geschichte von "Junge trifft Mädchen, Junge verliert Mädchen" ist altbekannt, aber immer wieder gut - wenn man sie denn gut erzählt. Der Illustrator und Autor Jan Bauer, Jahrgang 1976, tut das in seinem ersten Comicband. Ein junger Mann (namens Jan Bauer) wandert 450 Kilometer durch Australien. Das Ziel: zur Ruhe zu kommen, denn das Ende einer langen Liebe und der Tod der Mutter haben ihn aus dem Tritt gebracht. Andere Wanderer vermag er kaum zu ertragen, nur mit der Französin Morgane teilt er gerne den Weg. Ist sie die Rettung? Er glaubt es. Sie nicht.

Thematisch betritt die bittersüße und autobiografisch getönte Geschichte keine unbekannten Pfade. Seinen enormen Reiz gewinnt "Der salzige Fluss" aber durch die Zeichnungen. Die Figuren mit ihren schwarzen Knopfaugen besitzen eine Aura kindlicher, entwaffnender Unschuld, die auch mal ins Naive zielt - besonders, wenn sich der Wanderer der Angebeten annähert, ohne Rücksicht auf Zurückweisung oder eigene Kränkung. Gleichzeitig beschreibt Bauer den Weg nahezu dokumentarisch: Morgendliches Kaffeekochen etwa löst er in Einzelbilder über ganze vier Seiten auf - ohne dass sich das Gefühl einstellt, es wäre auch nur ein Bild zu viel; hier hat jede kleine Geste ihre Bedeutung. Eindrücklich ist der Band auch, wenn er sich von der reinen Beobachtung der Figuren und der Natur in die Innenwelt bewegt, wenn die sprichwörtichen Dämonen die sensible Hauptfigur heimsuchen. Ein Comicband, der ohne Umweg ans Herz geht.

Jan Bauer: Der salzige Fluss. Avant Verlag, 234 Seiten,

19,95 Euro.