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Der virtuelle Fahrlehrer im Führerhaus

Joachim Boes zeigt einen Computer, der aus dem Führerhaus der Lkw Daten liefert. Foto: Rau
Joachim Boes zeigt einen Computer, der aus dem Führerhaus der Lkw Daten liefert. Foto: Rau FOTO: Rau
Saarbrücken. Treibstoff ist für Speditionen ein entscheidender Kostenfaktor. Spritsparendes Fahren bietet daher noch großes Sparpotenzial. Das System „EnTruck“ der Saarbrücker Firma tec4you kann Unternehmen dabei helfen. Udo Rau

Autobahn Saarbrücken-Mannheim: Ein Schwerlaster schert aus und quält sich im Zentimeter-Fortschritt an einem anderen Schwerlaster vorbei, bis er eine Fahrzeuglänge gewonnen hat. Dabei muss der Fahrer beim Überholen ordentlich aufs Gaspedal drücken: ein spritfressender Vorgang. Vom Ärger der Autofahrer dahinter gar nicht zu reden.

Dieser alltägliche Vorgang auf deutschen Autobahnen ist nur ein Beispiel für Verschwendung mit Motoren, die 34 und mehr Liter auf 100 Kilometer schlucken. "Viele Trucker haben öko- und kosteneffizientes Fahren noch gar nicht auf dem Radar", sagt Joachim Boes, geschäftsführender Gesellschafter der Saarbrücker tec4U Ingenieurgesellschaft mbH, die ihren Sitz auf dem Gelände des früheren Bahn-Ausbesserungswerks Burbach hat.

tec4U hält Abhilfe bereit. Gemeinsam mit den Partnern Reifen Kiefer, Wieso UG und der Spedition Wagner hat das Unternehmen ein Assistenz- und Analysesystem entwickelt, das Lkw-Flotten in Kombination mit dem Telematiksystem ,EnTruck‘ öko- und kosteneffizienter macht. Finanziell gefördert wurde das Projekt vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen des "Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand"

Obwohl Fuhrparkchefs und Speditionsinhaber mit dem Programm aus dem Saarland einige tausend Euro Betriebskosten pro Fahrzeug und Jahr sparen könnten, bleibt der Absatz auch nach einem Jahr überschaubar. "Wir müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten", sagt Boes.

Aus drei Komponenten bestehe das System, der Fahrzeug-, Fahr- und Streckenprofilanalyse, dem Fahrschul- und dem Fahrerassistenzsystem, sagt Boes. Alle Daten würden im Echtzeit-Betrieb erfasst, analysiert und schließlich passgenau für Management, Disposition und Fuhrparkleiter in der Spedition aufgearbeitet. In Folge können maßgeschneiderte Aktionen zur Kraftstoffreduktion geplant und umgesetzt werden. Zusätzlich bietet das System dem Fahrer auf einem Display Verhaltensregeln an. Neben der Software liefert tec4U einen eigenen Bordcomputer der im Führerhaus montiert wird.

Mit der Verknüpfung aller verfügbaren Fahrzeugsensordaten sei es möglich, die verbrauchten Kraftstoffmengen den jeweiligen Ursachen zuzuordnen, sagt Boes. "Mit dem System sitzt der Fahrlehrer quasi ständig mit im Fahrzeug." Als Abnehmer von "EnTruck" kommen neben Fuhrpark-Betreibern etwa auch Fahrschulen infrage, die die Lkw-Fahrer mit dem System trainieren. Bei rund 2,6 Millionen Lkw in Deutschland - ein Drittel davon greift schon auf Telematiksysteme zur Ermittlung von Positionsdaten zurück - ein Zukunftsmarkt für die Saarländer.

tec4U wurde 1999 aus der damaligen Fachhochschule Saarbrücken - heute HTW - heraus gegründet. Neben Joachim Boes ist Mitgründer Christian Berres noch geschäftsführender Gesellschafter. Im Verbund mit der neu gegründeten tec4U Solutions GmbH beschäftigt das Gesamtunternehmen 30 Mitarbeiter und erwartet für 2014 einen Umsatz von 1,7 Millionen Euro. Die Saarländische Wagnisfinanzierungsgesellschaft (SWG) hat sich zur Markteinführung von "EnTruck" an der tec4U beteiligt.