Der Vierte Pavillon und seine Verstrickungen

Der Vierte Pavillon und seine Verstrickungen

Sieht man sich den fertigen Rohbau des Vierten Pavillons an - gestern wurde er offiziell abgenommen - muss man all jenen Recht geben, die damals die Hände über dem Kopf zusammenschlugen und nach Bekanntwerden der Entwürfe vor einem städtebaulichen Sündenfall warnten: Das Saarlandmuseum von Hans Schönecker, von zeitloser Schönheit und einer der erlesensten Bauten im Saarland überhaupt, ist hinter

Sieht man sich den fertigen Rohbau des Vierten Pavillons an - gestern wurde er offiziell abgenommen - muss man all jenen Recht geben, die damals die Hände über dem Kopf zusammenschlugen und nach Bekanntwerden der Entwürfe vor einem städtebaulichen Sündenfall warnten: Das Saarlandmuseum von Hans Schönecker, von zeitloser Schönheit und einer der erlesensten Bauten im Saarland überhaupt, ist hinter einem Betonklotz verschwunden. Schamloser, grober lässt sich mit einem architektonischen Erbe nicht umgehen.Die Auguren von damals dürfen sich also bestätigt sehen. Leider. Ein Museumsgeschütz ist da in Position gebracht worden, das der verhießenen Kulturmeilen-Eleganz mutmaßlich den Garaus machen wird. Es soll denn auch Architekten geben, die bereits die Frage umtreibt, ob und wie da noch Schadensbegrenzung möglich ist. Man kann nur hoffen, dass eine fligrane Fassadengestalt diesen Klotz halbwegs wird bändigen können.

Zu den ungelösten Rätseln des Vierten Pavillons gehört, wie dieses Projekt trotz eines eigens dafür engagierten Projektsteuerers derart zielsicher in die Negativschlagzeilen geraten konnte. Von Anfang an. Die Pannengeschichte lückenlos nachzuzeichnen, fehlt es hier an Platz. Mit dem beauftragten Innenarchitekten, einem alten Duzfreund des früheren Kulturministers Jürgen Schreier, aber scheint nun - nach dem suspendierten Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Ralph Melcher - ein (zweiter) Buhmann gefunden. Das Honorar, das er für sein Baustellenmanagement einstrich (von einer Million Euro seit 2009 ist die Rede), wirkt in einem bettelarmen Land wie diesem, gelinde gesagt, anrüchig. Sein Stundensatz lag um fast 300 Prozent über dem üblichen eines Architekten. Leistete der Mann auch Arbeit für drei? Dass den Projektsteuerer auch Mitschuld an den ausufernden Baukosten trifft, ist damit noch nicht gesagt. Dazu liegen die Hintergründe des sich in der Karlstraße auftuenden Finanzdeltas bislang zu sehr im Dunkeln. Mehrkosten muss jede Bauleitung dem Bauherren (in dem Falle war es Melcher) melden, da er sie absegnen muss. Das ist Usus. Ob es auch geschah und vorab die Aufsichtsgremien - und damit zuvorderst der Kurator der Stiftung, Minister Karl Rauber - informiert wurden, ist unklar. Der neue Interimsvorstand, Meinrad Grewenig, sagt, ihm sei bei noch Amtsantritt vermittelt worden, dass zeitlich wie finanziell alles im Rahmen laufe. Das tat es da längst nicht mehr, wie Grewenig heute weiß.

Auch weil wichtige Dokumente bei der Staatsanwaltschaft liegen, bleibt die Rolle des alten Vorstandes und die des Projektsteuerers undurchsichtig. Losgelöst davon aber ist es Klüngelwirtschaft, dass Letzterer - ein gelernter Innenarchitekt - für die Kulturstiftung seit Jahren im Abonnement als Mann für alle Fälle fungierte. Mindestens acht Berater-, Projektsteuerer- und Architektenverträge schanzte man ihm zu. Zuletzt für die Spielbank, deren Geschäftsführer wiederum Jürgen Schreier heißt. So schließen sich Kreise.

Zwei Lehren lassen sich aus dem Politikum, zu dem der Vierte Pavillon längst geworden ist, bislang ziehen. 1) Dass das Land die Kostenkalkulation für den Museumsanbau dosiert in die Höhe schnellen ließ, dürfte reines Kalkül gewesen sein. Schon bei der Ausschreibung fehlte es nicht an mahnenden Fachleuten, die den anfänglichen Kostenrahmen von neun Millionen schlicht utopisch nannten. Eine gezielte Irreführung aus Sorge, das Projekt anders nicht durchsetzen zu können? 2) Normalerweise muss man annehmen, dass die Aufsichtsgremien - in erster Linie die Politik - bei einem Projekt dieser Größenordnung Frühwarnsysteme vorsehen. Bis dato aber kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier eher eine Narrenfreiheit eingeräumt wurde. Sollte sich das bestätigen, müsste dies politische Folgen haben.

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