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| 20:19 Uhr

Der unverstandene Papst

Meinung. Zum Abschluss seiner Nahost-Reise muss Papst Benedikt XVI. dann doch mehr Kritik einstecken, als er verdient hat. Dabei hat er eigentlich nichts falsch gemacht. Manche Beobachter in Deutschland und in Israel sind aber enttäuscht, weil das Kirchenoberhaupt sich aus ihrer Sicht deutlicher und entschiedener zum Holocaust und der Rolle der Kirche in der NS-Zeit hätte äußern sollen Von Jörg Wingertszahn

Zum Abschluss seiner Nahost-Reise muss Papst Benedikt XVI. dann doch mehr Kritik einstecken, als er verdient hat. Dabei hat er eigentlich nichts falsch gemacht. Manche Beobachter in Deutschland und in Israel sind aber enttäuscht, weil das Kirchenoberhaupt sich aus ihrer Sicht deutlicher und entschiedener zum Holocaust und der Rolle der Kirche in der NS-Zeit hätte äußern sollen. An einen Papst, einen deutschen zumal, werden in Israel sehr hohe Anforderungen gestellt. Viele Erwartungen waren indes überzogen und damit unrealistisch. Es war nicht damit zu rechnen, dass Benedikt gerade in der Gedenkstätte Yad Vashem noch einmal Fehler im Umgang mit der Piusbruderschaft und dem Holocaust-Leugner Richard Williamson eingestehen würde. Das hat er vor seiner Reise schon getan. Den Namen Williamson an diesem Ort zu erwähnen hätte man zudem als Verhöhnung der Opfer empfinden können. Nicht zuletzt aber verurteilte er gleich bei seiner Ankunft in Israel unmissverständlich den Mord an sechs Millionen Juden und jegliche Form von Antisemitismus. An der Haltung des Papstes dazu kann es keinen Zweifel geben.Warum dennoch diese Irritationen? Es liegt nicht nur an überzogenen Erwartungen, dass dieser Papst oft nicht richtig gehört und verstanden wird. Benedikt selbst hat ein Kommunikationsproblem, das weder er noch sein Stab im Vatikan bisher lösen konnten. Vielleicht sieht das Kirchenoberhaupt aber auch gar keinen Anlass, sich anders mitzuteilen, weil ihm sein Selbstverständnis als Nachfolger Petri verbietet, sich allzu oft und beliebig zu äußern. Aufgabe des Papstes kann es gewiss nicht sein, ständig als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Wenn er spricht, dann grundsätzlich. Im Bewusstsein, dass sich seine Aussagen einreihen in die 2000-jährige Geschichte der Kirche. Gebetsmühlenartig Positionen zu wiederholen wie Politiker im Wahlkampf ist seine Sache nicht. Vielleicht sind wir ja nicht mehr daran gewöhnt, dass jemand seine Position nur einmal auf den Punkt bringt und dann so schnell nichts mehr dazu sagt. Dennoch bleibt der Wunsch nach mehr Deutlichkeit. Dass Benedikt XVI. ein Meister des geschliffenen Wortes ist, wird niemand bestreiten. Doch formuliert er oft so verklausuliert, dass er viele Zuhörer nicht erreicht. Der Professor spricht auch schon mal über die Köpfe hinweg. Das ist bedauerlich, schließlich hat er aus kirchlicher Sicht auch zu weltlichen Themen wie Finanzkrise oder Nahostkonflikt Kluges zu sagen. Man muss seiner Sicht der Dinge ja nicht folgen, diskussionswürdig ist sie allemal. Wenn sie denn verstanden würde.