Der Schwenker – ein Symbol der Versöhnung

Der Schwenker – ein Symbol der Versöhnung

Am Freitag las Schauspieler Devid Striesow, frisch ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis, in der vollbesetzten Püttlinger Stadthalle aus zwei Saarlandkrimis – es wurde ein sehr munterer Abend.

Am Ende wurde Devid Striesow die größte Ehre zuteil, die einem hierzulande, abgesehen vom Saarländischen Verdienstorden, übergeben werden kann: Er bekam einen Schwenker, noch dazu ein ausgesprochen elegantes Modell. Ein stahlgewordenes Symbol dafür, dass nicht jeder in der Region Striesows umstrittenen Saar-Kommissar Jens Stellbrink ablehnt? Vielleicht. In jedem Fall ein saarländisches Dankeschön an den Darsteller, der während der Dreharbeiten - gerade entsteht der dritte SR-"Tatort" mit ihm - in Püttlingen wohnt; der Anfrage nach einer Lesung mit Striesow sei der sehr gerne nachgekommen, sagte Püttlingens Beigeordnete Kerstin Bremm zur Begrüßung. "Tatort Püttlingen" war der Krimi-Abend in der Stadthalle überschrieben, hatte eigentlich mit dem SR-"Tatort" nichts zu tun. Aber irgendwie doch. Flankiert von drei SR-Bannern, auch "Tatort"-Kollegin Elisabeth Brück war im Publikum, las Striesow - "als kleiner Dank an Püttlingen und das Saarland" - aus zwei Saarland-Krimis von Christian Bauer. Der ist als SR-Redakteur verantwortlich für den saarländischen "Tatort". In "Ein nackter Arsch" und "Ein dreckiger Sack" (erschienen im Gollenstein Verlag) geht es um den zechfreudigen Kriminaloberkommissar Robert Simarek, der an der Saar gegen Kriminelle und sein Übergewicht kämpft; ein Fall konfrontiert ihn mit einer nackten Leiche am Saarufer, ein anderer mit einem russischen Diplomaten, der mit einer raffinierten Geheimdienstmethode ins Jenseits transportiert wurde.

Nun muss man nicht zwingend das Klischee bemühen, dass es bei einem guten Schauspieler schon ein Vergnügen ist, wenn er aus dem Telefonbuch rezitiert - doch es bietet sich an. Denn wie Striesow, der auf der Bühne "Hamlet", "Woyzek" und den "Prinz von Homburg" spielte, hier aus zwei Regionalkrimis mit "Sack" und "Arsch" im Titel las, hatte großen Reiz. Mit Verve (und Lesebrille) warf er sich in die Figuren, ließ stimmlich und mimisch den bohrenden Katerkopfschmerz des übernächtigten Ermittlers nachfühlen, kühlte schmallippig die Raumtemperatur herunter, als er den eisigen Rechtsmediziner Dr. Rolf Fischmayr gab und dessen nasales "Nnnnjaaaaaaaaaa" durch die voll besetzte Stadthalle schallen ließ. Dem Ermittlerfreund Gerd Hassdenteufel, Pfarrer mit "Pater Brown"-Tendenzen, gab er ein leicht angespanntes Staccato mit; auch an türkischem, chinesischem und lettischem Akzent konnte sich Striesow erproben, dank der Schnellimbiss-Besuche des Kommissars und einer Prostituierten. Nur am Wort "Cytochromoxidase", einem nahezu unaussprechlichen Enzym, blieb Striesow hängen - ein wenig zur Freude von Autor und Freund Bauer, der neben Striesow saß, in die Buchpassagen einführte und von dem Darsteller mit einigen gespielt strengen Seitenblicken bedacht wurde: als es um Blähungen und Übergewicht ging. Musikalisch umrahmte das Gelesene die Pianistin Natalia Wolsdorfer mit Kontrastreichem zwischen Tastendonner und Lyrischem.

Der Erlös des Abends, 815 Euro, ging an den Kinder-Hospizdienst Saar, auf Wunsch von Striesow und Bauer. Von den beiden hätten Zuschauer der hinteren Reihen mehr gesehen, hätte das Duo nicht vor, sondern auf der Bühne gelesen. Aber auf der stand ja der Schwenker. Den begrüßte Striesow, der Charmante, am Ende mit einem "Wuuunderschön!".