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Der Rausschmiss

München. Nach einer dramatischen Führungskrise muss Siemens-Chef Peter Löscher seinen Posten vorzeitig räumen. Doch der Österreicher fällt finanziell weich: Ihm winken millionenschwere Abfindungszahlungen. dpa

Nach einer Serie von Rückschlägen bei Siemens zieht der Aufsichtsrat die Notbremse und feuert Konzernchef Peter Löscher. Die Aufseher verständigten sich nach Marathon-Beratungen mehrheitlich auf die Absetzung Löschers und auf die Berufung von Finanzvorstand Joe Kaeser als Nachfolger, wie aus gut informierten Kreisen verlautete. "Es gibt ein klares Mehrheitsbild im Aufsichtsrat", hieß es.

Löscher war nach zahlreichen Misserfolgen bei Deutschlands größtem Elektrokonzern zunehmend in Bedrängnis geraten. Höhepunkt der Pannen-Serie war die zweite Gewinnwarnung bei Siemens in nicht einmal drei Monaten am vergangenen Donnerstag.

Für Siemens endet die Ära Löscher teuer. Nach seinem Abgang winkt dem Österreicher nämlich eine millionenschwere Abfindung. Wie sich aus dem Geschäftsbericht des Elektrokonzerns ergibt, stehen Vorstandsmitgliedern bei einer vorzeitigen Beendigung ihrer Tätigkeit maximal zwei Jahresvergütungen zu. Insgesamt dürften sich die Zahlungen demnach auf rund neun Millionen Euro summieren.

Formell müssen die Personalien bei der nächsten regulären Sitzung des Gremiums am Mittwoch noch beschlossen werden. Am Samstagabend hatte Siemens bereits bekanntgegeben, dass ein Wechsel an der Vorstandsspitze anstehe und am Mittwoch beschlossen werden solle. Der 55 Jahre alte Österreicher Löscher führte den Konzern seit 2007. Erst vor zwei Jahren war sein Vertrag vorzeitig um fünf Jahre bis 2017 verlängert worden.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS)" berichtete, Siemens-Chefaufseher Gerhard Cromme sei mit dem klaren Willen zu den Beratungen nach München angereist, Löscher zum Rücktritt zu zwingen. Löscher habe aber gekämpft. "Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art, aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen", sagte der Manager noch am Freitag der "Süddeutschen Zeitung".

Gerhard Cromme, der nach seinem Rückzug als Chefaufseher beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp selbst als geschwächt gilt, hatte den ehemaligen Pharma-Manager Löscher 2007 an die Siemens-Spitze geholt. Damals steckte der Elektrokonzern wegen des milliardenschweren Schmiergeld-Skandals tief in der Krise.

Ruhig und professionell räumte Löscher bei Siemens auf und baute den Konzern um. Doch er kämpfte auch immer wieder mit Problemen wie zuletzt mit der Konjunkturflaute, einer nachlassenden Wachstumsdynamik in Schwellenländern wie China sowie teuren, hausgemachten Projektpannen. Dazu gehören die verspätete Lieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn und Verzögerungen bei der Anbindung von Nordsee-Windparks ans Stromnetz. Allein diese Belastungen hat Siemens auf 680 Millionen Euro beziffert. Auch Ausflug ins Solargeschäft mit der Übernahme des israelischen Unternehmens Solel endete verlustreich. Siemens muss die Sparte schließen.