Der Pragmatische

Der Pragmatische

Mit „Einer meiner ältesten Freunde“ hat Rainer Kaufmann 1995 den Ophüls-Preis gewonnen. Seitdem zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Regisseuren im Kino und Fernsehen („Die Apothekerin“, „Ein fliehendes Pferd“). Gestern war er in Saarbrücken.

Rainer Kaufmann ist ein entwaffnender Gesprächspartner. Er könnte natürlich auf seine erfolgreiche Karriere verweisen, darauf, dass er seit 20 Jahren kontinuierlich Filme dreht - Kinohits wie "Stadtgespräch" und "Die Apothekerin" in den 90er Jahren, TV-Erfolge wie jüngst "Operation Zucker", ein mehrfach ausgezeichneter Film über Kinderhandel. Aber wenn der 54-Jährige von seiner Arbeit erzählt, klingt er pragmatisch nüchtern. Sicher arbeite er viel, sagt er, "aber richtige Durststrecken" könne er sich nicht leisten, mit drei Kindern in der Ausbildung. "Wenn ich nicht zwei oder drei Filme im Jahr mache, wird es finanziell schwierig." Macht man dann manchmal Filme, die man despektierlich "Auftragsarbeiten" nennen könnte? "Ich versuche immer, die Härte dieser Bezeichnung zu durchbrechen", sagt Kaufmann, "ich arbeite mit den Autoren, bin früh im Projekt involviert, aber ich führe eben nur Regie". Damit keine Durststrecken drohen, hat er immer mindestens drei Projekte in einer gut entwickelten Phase, "die ständig betreut werden müssen".

In den vergangenen Jahren hat er vor allem für das Fernsehen gearbeitet, für das Hauptabendprogramm - denn Kaufmann will ein großes Publikum erreichen: "Film und Fernsehen sind auch eine Kommunikation mit den Zuschauern." Vor Jahren sagte er in einem Interview, dass "ein Kino so viele Plätze hat, damit viele Leute kommen können". Jene Kritiker, denen ein Publikumserfolg per se verdächtig vorkommt, haben ihm damals filmischen Populismus vorgeworfen. "Das hat mich natürlich getroffen", sagt er heute, "aber Film ist eine seltsame Kunstform. Man braucht viel Geld, es sind viele Leute dabei, die damit ihr Geld verdienen. Da hat man eine Verantwortung."

Kaufmanns Arbeit beim Fernsehen ist erfolgreich, aber "es gibt immer wieder Betonwände, gegen die man anrennt, und die Furcht, dass Dinge nicht erzählbar sind oder vom Publikum nicht angenommen werden". Beim zurzeit hochgelobten US-Fernsehen sei das anders, aber nicht ohne Grund: "Die Amerikaner müssen nicht damit kämpfen, dass alles, was man macht, frei ab zwölf sein muss. Eine gewisse Härte, eine moralische Abgründigkeit, die können wir bei uns um 20.15 Uhr nicht zeigen." Kaufmann weiß das sehr genau, denn der erwähnte Kinderhandel-Film "Operation Zucker" musste vor der TV-Ausstrahlung noch einmal umgeschnitten und entschärft werden. Insgesamt aber ist Kaufmann "dem deutschen Fernsehen sehr dankbar, das mir viele Chancen gegeben hat", vor allem in den frühen 90er Jahren, "da kam ich von der Filmhochschule, und die Regiearbeit ging extrem schwer los."

Zurzeit arbeitet Kaufmann am Schnitt der Liebesgeschichte "Ich will Dich", schon am 11. März beginnen die Dreharbeiten zu seinem ersten "Tatort", unbekanntes Terrain für ihn. "Ich bin niemand, der gerne Polizei-Einsätze inszeniert." Aber die Geschichte sei gut, und es sei interessant, mit den Münchner "Tatort"-Darstellern Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl zu arbeiten, denn die hätten ihre Rolle schon 60 bis 70 Mal gespielt. "Das ist dann fast so, als drehe man einen Dokumentarfilm".

Mehr von Saarbrücker Zeitung