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Rücktritt von Wirtschaftsberater Cohn
Der nächste Aufpasser für Trump scheitert

Gary Cohn.
Gary Cohn. FOTO: dpa / Manuel Balce Ceneta
Gary Cohn war die Hoffnung der klassischen US-Konservativen. Er sollte den Populismus des US-Präsidenten zügeln. Im Streit um Stahl-Zölle wirft er das Handtuch. Von Frank Herrmann

„Ich mag Fluktuation“, scherzte Donald Trump kürzlich beim Dinner mit Journalisten. Tatsächlich stellt die personelle Fluktuation im Weißen Haus derzeit alles in den Schatten, was sich unter Bill Clinton, George W. Bush oder Barack Obama  abspielte.


Mit Gary Cohn verabschiedet sich nunmehr ein Mann, in dem die Weltoffenen unter den Republikanern so etwas wie einen Garanten für Schadensbegrenzung sahen. Der ehemalige Nummer zwei der Investmentbank  Goldman Sachs  sollte neben anderen verhindern, dass aus populistischen Sprüchen praktische Politik wird. Mit Cohn als ranghöchstem Wirtschaftsberater, so glaubten die Konservativen alter Schule, würden sich Trumps protektionistische Instinkte schon irgendwie kontrollieren lassen. Doch als der Präsident vor wenigen Tage scheinbar spontan Strafzölle für Stahl- und Aluminiumimporte ankündigte, war klar, dass Cohn beim bislang heftigsten Machtkampf in den Reihen des Kabinetts in Washington  auf der Verliererseite stand.

Gewonnen haben die Nationalisten, angeführt von Handelsminister Wilbur Ross und Peter Navarro, einem Ökonomen, der seit Langem für Abschottung plädiert. Statt sich von den Hardlinern künftig die Richtung diktieren zu lassen, landete der „Globalist“, wie manche ihn nennen, einen persönlichen Befreiungsschlag. Es ist das neueste Kapitel einer Serie, die Woche für Woche mit neuen Paukenschlägen aufwartet. So schnell, dass sich selbst nüchterne Beobachter fragen, ob die Querelen geordnetes Arbeiten überhaupt noch zulassen. Erst musste im Februar Trumps Personalsekretär Rob Porter seinen Hut nehmen, weil er seine beiden Ex-Frauen geschlagen haben soll. Dann verabschiedete sich die Kommunikationsdirektorin Hope Hicks, nachdem sie im Parlament eingeräumt hatte, zur Verteidigung Trumps zu Notlügen gegriffen zu haben. Herbert Raymond McMaster, der Nationale Sicherheitsberater, spielt angeblich mit dem Gedanken, an eine Universität zu wechseln. Der Ex-General John Kelly, nach einem halben Jahr aus dem Heimatschutzressort geholt, um in der Rolle des Stabschefs das Chaos in der Regierungszentrale zu ordnen, lässt  Amtsmüdigkeit erkennen.

Mit Cohns Abgang dröhnt der bislang lauteste Paukenschlag. Es ist nicht so, dass der 57-Jährige stets und ständig über Kreuz lag mit Trump, vielmehr klang er bisweilen wie dessen Echo. Die Welt, schrieb er vor Monaten in einem gemeinsam mit McMaster verfassten Essay, sei keine globale Gemeinschaft, sondern eine „Arena, in der Nationen, nichtstaatliche Akteure und Unternehmen um Vorteile ringen“. Aber dass er sich rieb an einem Vorgesetzten, der keine Hemmschwelle zu kennen scheint, ist schon lange kein Geheimnis mehr.

Bereits im August, nach heftigen Ausschreitungen in Charlottesville, meldete er öffentlich Widerspruch an. In der Universitätsstadt in Virginia hatten sich Neonazis mit Gegendemonstranten geprügelt, nachdem sie mit brennenden Fackeln, antisemitische Parolen skandierend, über den Campus gezogen waren. Statt sich glasklar vom braunen Mob zu distanzieren, stellte Trump beide Seiten auf eine moralische Stufe.



Der Präsident hätte deutlichere Worte finden müssen, sagte Cohn. Als Amerikaner jüdischen Glaubens, schob er hinterher, werde er den Neonazis nicht den Triumph gönnen, „diesen Juden hier zum Verzicht auf sein Amt zu bringen“. Trump, der auf Kritik eher dünnhäutig reagiert, nahm es ihm übel. Zählte Cohn vor Charlottesville zum Favoritenkreis für die Nachfolge Janet Yellens an der Spitze der amerikanischen Notenbank, so hatte er nach seiner Auflehnung gegen Trump keine Chance mehr.