Der mysteriöse „Herr Soldan“: Ein Fernseh-Kleinod auf DVD

Der mysteriöse „Herr Soldan“: Ein Fernseh-Kleinod auf DVD

Die Riegelsberger Firma Pidax hat erneut eine alte TV-Perle poliert und auf DVD veröffentlicht: „Herr Soldan hat keine Vergangenheit“. Ein Fernseh-Kleinod aus einer Zeit – 1972 –, in der es noch anderes in der ARD gab als Talkshows oder „Tatort“ (und in der deutsche Polizisten noch VW Käfer fuhren).

Siegfried Lowitz spielt den titelgebenden Herrn Soldan, der eigentlich nicht so heißt - unter falschem Namen ist er in einer mittelgroßen, recht beschaulichen Stadt untergetaucht, lebt von einer alten Diebesbeute, will bloß seine Ruhe haben und "ohne Angst ins Bett gehen". Kontakt pflegt er nur zu dem 13-jährigen Bernd, einem Jungen im Rollstuhl, ein Außenseiter wie er. Als Bernd in Soldans Biografie forscht und dessen kriminelle Vergangenheit aufdeckt, scheint es mit der Freundschaft vorbei: Bernd will Soldan zu einem neuen Raub zwingen.

Ein stiller Thriller, der vor allem von seiner Atmosphäre lebt, zwischen geruhsamer Bürgerlichkeit und beklemmendem Spießertum: Soldans muffige Pension, der Partykeller von Bernds Vater mit historischen, liebevoll gepflegten Waffen, Erwachsene, die den Rollstuhlfahrer als "Krüppel" bezeichnen, und ein Stammtisch, an dem hitzig (und nur von Männern) die neueste Umgehungsstraße diskutiert wird. Gut wie gewohnt ist Siegfried Lowitz, der seiner Figur viele Schattierungen mitgibt, die nach Ruhe sucht und wenig Skrupel kennt, diese Ruhe zu schützen. Am Ende trifft er eine Entscheidung, die den Film zu einem todtraurigen Finale zwingt.

Erschienen bei Pidax.

Keine Extras.

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