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Der Mars aus Spicherer Sicht

Saarbrücken. "Der Himmel in Namibia ist grandios", findet Sebastian Voltmer. "In manchen Nächten ist er so klar und dunkel, dass man seinen eigenen Schatten - durch das Leuchten der Milchstraße - auf dem Boden erkennen kann." Der 27-jährige Saarbrücker ist unter anderem ein Astrofotograf - das Universum auf Bilder zu bannen, ist seine Leidenschaft Von SZ-Redakteur Tobias Kessler

Saarbrücken. "Der Himmel in Namibia ist grandios", findet Sebastian Voltmer. "In manchen Nächten ist er so klar und dunkel, dass man seinen eigenen Schatten - durch das Leuchten der Milchstraße - auf dem Boden erkennen kann." Der 27-jährige Saarbrücker ist unter anderem ein Astrofotograf - das Universum auf Bilder zu bannen, ist seine Leidenschaft. Das kosmische Ur-Erlebnis, will man es so nennen, ereilte ihn mit zwölf. Da schlug der Komet Shoemaker-Levy 9 auf Jupiter ein. 1994 war das, Voltmer beobachtete es mit einem frisch gekauften Teleskop auf den Spicherer Höhen. "Ein Wahnsinn" sei das gewesen. Als er danach begann, Sterne zu fotografieren, musste er sich ein eigenes Labor zum Entwickeln der manchmal bis zu mehrere Stunden lang belichteten Bilder einrichten. "Denn die üblichen Labors haben die Bilder in der Mitte zerschnitten, weil sie die hellen Negative für unbelichtet hielten."



Mittlerweile hat der Computer bei der Astro-Fotografie manches vereinfacht - aber sie bleibt eine Tüftelarbeit für Geduldige. Denn nicht die Distanz der Himmelskörper sei das eigentliche Problem, sondern die Luft: "Sie flimmert", erklärt Voltmer, "und das lässt die Bilder unscharf werden". Um der Luft ein Schnippchen zu schlagen, nimmt Voltmer mehrere Tausend Bilder eines Planeten auf und legt sie wie ein Sandwich übereinander - das ergibt ein detailreicheres Summenbild. Und hat er von denen wiederum Tausende gesammelt, kann er sie aneinanderreihen und schafft so die Sequenz eines sich bewegenden Planeten.

Zu sehen sind die in Voltmers einstündigem Film "Wiederkehr des Mars - so nah wie seit 56 000 Jahren nicht mehr", den er kommende Woche in Saarbrücken zeigt und diskutiert. Es ist nicht die erste filmische All-Exkursion Voltmers - sein zweiter Film "Das Gesicht des Himmels", den er als 18-Jähriger drehte, lief mehrmals im "SpaceNight"-Programm des Bayerischen Rundfunks.

"Wiederkehr des Mars", mit dem Voltmer nun die Kinos bereist, ist zugleich seine Examensarbeit an der Kunsthochschule Kassel. Dort hat er Fotografie, Film und Grafik-Design im Rahmen der "Visuellen Kommunikation" studiert; Stipendien führten ihn 2003 nach London und 2004 an die Wiener Filmakademie der Universität für Musik und darstellende Kunst. Denn Musik schreibt Voltmer auch noch. In "Wiederkehr des Mars" ist sie allerdings nicht gleich als solche zu erkennen. Voltmer setzt da vor allem auf Sounddesign und Naturgeräusche - angeregt durch eine Nacht, als Frostspanner-Raupen über das Laub herfielen. Das Kauen der Larven habe geklungen "wie ein zarter Nieselregen".

Die Hochschule in Kassel hat Voltmer nun zum Meisterschüler ernannt - "ich bekomme dort ein weiteres Jahr geboten, um andere Film-Projekte zu verfolgen". So pendelt er zurzeit zwischen Kassel und Saarbrücken, weil er hier eine siebenköpfige Firma unterhält; mit der hat er den 2006er Film "Musikalische Spurensuche in den Alpen" gedreht, er produziert aber auch so genannte "Image Filme" - Werbefilme für Unternehmen. Sogar ein Pilot ist mit im Team, für Luftbilder. Viel zu tun? "Ja, es läuft gut". So gut, sagt Voltmer, dass er kaum noch zum Beobachten des Nachthimmels kommt.

Filmwerkstatt: Dienstag, 2. Juni, 20 Uhr im Kino Achteinhalb. Der Film läuft ohne Diskussion noch einmal am Mittwoch. Informationen unter: www.filmbuero-saar.de