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Der Lokus im Fokus

Saarbrücken. Endlich ein Buch, dass man guten Gewissens auf dem Klo lesen kann: SR-Redakteur Ralph Schock hat für das Bändchen „Der liebste Ort auf Erden“ zusammengestellt, was großen und kleineren Literaten auf, pardon, zum stillen Örtchen entfleuchte. Oliver Schwambach

Männer tun's genetisch bedingt: Behaupten jedenfalls Frauen. Empirisch belegt - ja auch dazu gibt's Umfragen - thronen Männer wie Frauen aber annähernd gleichlang und vertiefen sich dabei in Blättchen wie Schöngeistiges. Wo? Auf dem Klo natürlich. Mag sein, es liegt an der sprichwörtlichen Stille jenes Örtchens, der Ruhe vor anderen, die einen dort besonders gut lesen lässt. Doch nicht bloß zur Lektüre taugen Donnerbalken oder auch High-Tech-WCs mit wohl temperierter Brille. Seit Menschen ihre Gedanken formulieren, schreiben sie auch über ihre Exkremente, über das, was sie hinter sich lassen. Und wo sie dies tun.

Das "Allernatürlichste" ist aber zugleich auch die "allerintimste Verrichtung", notiert Herausgeber Ralph Schock über diese Widersprüche im Nachwort seiner "Klogeschichten". Dafür hat der langjährige SR-Literaturredakteur quer durch die Zeit und Stile Werke höchst unterschiedlicher Dichter und Denker von Goethe bis Grass, von Joseph Roth bis Johannes Kühn , von Herta Müller bis Karen Köhler zusammengetragen.

Abstoßend, Ekel provozierend, beschreibt Günter Eichs Gedicht "Latrine" diese auch als einen Ort der kurzen Zuflucht vor dem Krieg. Sicher, es gibt auch das Erheiternde wie die Briefe Liselottes von der Pfalz, die 1693 im hohen Ton der Zeit vom Versailler Hof vom fröhlichen Furzen "met Verlöff met Verlöff" berichtet. Das Lokus-Brevier ist aber kein Bändchen mit zusammengeschusterten Nichtigkeiten wie sie man heute leider allzu oft zu diversen Themen auf den Ramschtischen der Buchhandlungen findet, sondern eine mit Bedacht erstellte Sammlung. Lesenswert - wo auch immer.

"Der liebste Ort auf Erden - Klogeschichten": Herausgegeben von Ralph Schock, Unionsverlag, 192 Seiten, 14,95 Euro.