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Der Lebensversicherung geht die Puste aus

Frankfurt. Noch gilt die deutsche Lebensversicherung als sicher. Doch die Rendite ist es längst nicht mehr. So gut wie alle Anbieter streichen dieses Jahr die sogenannte Überschussbeteiligung für ihre Kunden zusammen, weil sich die einst erwarteten Zinsen an den Finanzmärkten kaum mehr erwirtschaften lassen. Bei neuen Verträgen gleicht der Garantiezins nicht einmal die Inflation aus Von dpa-Mitarbeiter Steffen Weyer

Frankfurt. Noch gilt die deutsche Lebensversicherung als sicher. Doch die Rendite ist es längst nicht mehr. So gut wie alle Anbieter streichen dieses Jahr die sogenannte Überschussbeteiligung für ihre Kunden zusammen, weil sich die einst erwarteten Zinsen an den Finanzmärkten kaum mehr erwirtschaften lassen. Bei neuen Verträgen gleicht der Garantiezins nicht einmal die Inflation aus. Längst arbeiten Versicherer an Alternativen, die demnächst auf den Markt kommen sollen. Die neuen Produkte dürften vor allem eines bringen: weniger Sicherheit.Die deutsche Lebensversicherung ist ein komplexes Konstrukt. Die Gesamtverzinsung setzt sich aus Garantiezins, laufender Überschussbeteiligung, Schlussüberschuss und der Beteiligung an den Bewertungsreserven zusammen. Da verlieren Kunden schnell den Überblick - zumal der Zins nicht auf die eingezahlten Beiträge berechnet wird, sondern lediglich auf den Sparanteil, der nach Abzug der Kosten für Verwaltung, Vertrieb und Todesfallschutz übrigbleibt. Wie viel das ist, unterscheidet sich je nach Anbieter erheblich. Das gilt auch für die Überschüsse, die 2013 nur noch zwischen drei und vier Prozent rangieren. Hinzu kommen zwar jeweils der Schlussüberschuss und die Anteile an den Bewertungsreserven. Doch die werden den Verträgen erst am Ende gutgeschrieben. Zudem streitet die Politik derzeit noch darüber, wie viel Reserven die Versicherer künftig einbehalten dürfen, um nicht selbst in Schieflage zu geraten.



Kunden sollten jetzt keine neuen Lebensversicherungen abschließen, warnt denn auch der Bund der Versicherten. Für Verträge, die seit Anfang vergangenen Jahres abgeschlossen wurden, beträgt der Garantiezins nur noch 1,75 Prozent. Somit kann es im schlimmsten Fall Jahrzehnte dauern, bis der Vertrag überhaupt den Wert der eingezahlten Beiträge erreicht hat. Dennoch sind Policen mit Garantie weiter der Verkaufsschlager der Branche: Entschieden sich im Jahr 2008 noch 59 Prozent der Neukunden für eine solche klassische Lebensversicherung, so waren es im abgelaufenen Jahr schon 76 Prozent. Die bisherigen fondsgebundenen Verträge ohne Garantie ließen sich dagegen kaum verkaufen, sagt Versicherungs-Experte Christian Badorff von der Ratingagentur Standard & Poor's.

Dabei wäre es vielen Versicherungsgesellschaften nur allzu recht, wenn sie sich von den teuren Garantien befreien könnten. In der andauernden Niedrigzins-Phase müssen sie insgesamt viele Milliarden zur Seite legen, um die garantierten Verpflichtungen künftig erfüllen zu können. Im Zuge des neuen europäischen Regelwerks "Solvency II" drohen ihnen obendrein noch schärfere Eigenkapital-Anforderungen.

Längst bastelt die Branche deshalb an Vertragsmodellen, in denen die Zinsen nur noch für die ersten zehn oder 15 Jahre der Vertragslaufzeit garantiert sind. Widerstand gegen die neuen Pläne kommt von Verbraucherschützern. Aus Sicht des Bundes der Versicherten wäre eine solche Befristung das endgültige Aus für die klassische kapitalbildende Lebensversicherung. Wenn der Zinssatz nach 15 Jahren neu festgelegt werden dürfe, sei dies eine weitere Unsicherheit für die Versicherungsnehmer, so das Argument. Und zugleich eine weitere Stellschraube, mit der die Assekuranz-Unternehmen an der Gewinnbeteiligung ihrer Kunden drehen könnten.