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Der lange Atem des Jo Enzweiler

St. Ingbert. Eine Preisverleihung verlangt nach einer Lobrede. Die Verleihung des 18. Albert-Weisgerber-Preises für Bildende Kunst der Stadt St Von SZ-Mitarbeiterin Sabine Graf

St. Ingbert. Eine Preisverleihung verlangt nach einer Lobrede. Die Verleihung des 18. Albert-Weisgerber-Preises für Bildende Kunst der Stadt St. Ingbert an Jo Enzweiler verlangt nach Klärung der Frage: "Wie kann er so vieles auf den Weg bringen, was mit seiner künstlerischen Arbeit unmittelbar nichts zu tun hat?" Der Kunsthistoriker Lorenz Dittmann formulierte sie angesichts dessen Leistungen als Kunstvermittler etwa bei der Leitung der Galerie St. Johann, als Gründungsrektor der Hochschule der Bildenden Künste Saar und als Direktor des Instituts für aktuelle Kunst im Saarland.


Enzweiler kann beides, deshalb ehrte ihn gestern der St. Ingberter Oberbürgermeister Georg Jung in der Stadthalle St. Ingbert für sein Lebenswerk mit dem mit 10 000 Euro dotierten Preis. Auch er hob Enzweilers nicht zu übersehende Leistung, "die kulturelle Landschaft des Saarlandes geprägt und mitgestaltet" zu haben, hervor. Dieser blieb daher ganz bei sich und dankte der Stadt für ihren "langen Atem" im Hinblick auf den seit 1958 vergebenen Preis und wünschte sich, etwaige Änderungen befürchtend, "dass der Preis noch lange und in dieser Form existiert".

Enzweiler als konkreten Künstler zu erfassen und zu würdigen, dafür wählte Dittmann die präzise Analyse des Schaffens Enzweilers, die dabei den bestehenden Vorbehalten gegen Enzweiler ruhig und sachlich die Spitze nahm. Die Wiederholung etwa, ein wichtiges Verfahren im Schaffen Enzweilers, erhob er im Rückgriff auf eine Aussage des Philosophen Sören Kierkegaard zum Schema des Lebens gemeinhin. Und Enzweiler habe aus den Variationen eines Grundschemas eine ganze Bildwelt entwickelt. Von besonderer Bedeutung ist dabei für Lorenz Dittmann das "Marburgprojekt", eine Wandinstallation mit 189 kadmiumgelben Bildtafeln für den Marburger Kunstverein im Jahr 2003. Vor Ort verleibte Enzweiler den Bildtafeln durch Reißen ihren Rhythmus ein. Dabei wurde er Struktur in der Nahsicht wie dem Bildraum in der Fernsicht gerecht.



Für Lorenz Dittmann ist es ein Gleichnis für Enzweilers Schaffen als Künstler sowie als Kunstvermittler: "Es ist ein Gleichnis für Enzweilers Geduld und Ausdauer für sein Festhalten an einem einmal gefassten Plan, für seine Sorgfalt im Kleinsten wie im Größten und für seinen langen Atem in der Verfolgung umfassender, weit vorausschauender Ideen." Damit sollte keine Frage mehr offen und jeglicher Argwohn beseitigt sein.