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Der „lachende Dritte“ bereitet Trump Kummer

Washington. Gary Johnson hat eine magische Marke vor Augen: 15 Prozent. Bescheinigen ihm die Meinungsforscher, dass so viele amerikanische Wähler einen Präsidenten Johnson favorisieren, hat er den Olymp erklommen. Dann darf er neben den Kandidaten der beiden großen Parteien, Hillary Clinton und Donald Trump , an den drei Präsidentschaftsdebatten des Herbstes teilnehmen. Es wäre der Ritterschlag für einen Politiker, der lange nur als Außenseiter galt. Frank Herrmann

Der Debattencoup ist seit einem Vierteljahrhundert keinem gelungen. Ross Perot, ein exzentrischer Milliardär aus Texas, war 1992 der letzte. Angetreten als Unabhängiger, vermasselte er George Bush Senior die Wiederwahl, vor allem, weil er dem Amtsinhaber im konservativen Lager das Wasser abgrub. Johnson könnte auf Perots Spuren wandeln. Er könnte davon profitieren, dass sich Teile der republikanischen Wählerschaft an dem vulgären Populisten Trump reiben, aber nicht bereit sind, zu Clinton überzulaufen. In diesem Szenario wäre der Libertäre der lachende Dritte. So theoretisch ist das nicht: Neulich sah ihn eine Umfrage von CBS News bei zwölf Prozent.



Wer Johnson am Rande des Nominierungsparteitags der Republikaner in Cleveland traf, erlebte einen Mann, der allein vom Habitus her wie der Gegenentwurf zu Trump wirkte. Leise, optimistische Töne, gepflegte Selbstironie. Seine Markenzeichen sind Turnschuhe und eine schnittige Sonnenbrille. Auf Krawatten verzichtet er, wo immer es geht. Johnson will amerikanische Lässigkeit ausstrahlen.

Nicht, dass der 63-Jährige die politische Mitte bedient. Vielmehr steht er für eine Philosophie, die die Aufgaben des Staates auf ein Minimum zu beschränken gedenkt. Johnson will die Steuerbehörde abschaffen, Steuern überhaupt drastisch senken und dafür das Rentenalter deutlich anheben. Zugleich steht er für unbeschränkten Freihandel und offene Türen gegenüber Einwanderern, während Trump protektionistische Hürden aufstellen und an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen möchte.

Das Laissez-faire eines Libertären, der Bauunternehmer Johnson hat es bereits praktiziert, als er von 1995 bis 2003 Gouverneur des Bundesstaates New Mexico war. 1999 plädierte er als einer der ersten US-Politiker von Rang für die Legalisierung von Marihuana: Der sogenannte Krieg gegen Drogen entpuppe sich als milliardenteures Fiasko. Kein Wunder, dass Johnson besonders heftig applaudierte, als Colorado den Anfang machte und beschloss, den Konsum von Cannabis zu gestatten. Er hatte in eine Firma investiert, die unter anderem Haschischkekse herstellt.

Als Johnson die Reihen der Republikaner verließ, klang er wie einer jener Tea-Party-Rebellen, die es dem konservativen Establishment verübelten, dass es unter der Ägide George W. Bushs die Staatsausgaben ausufern ließ. "Die Republikaner haben aufgehört, gute Verwalter von Steuerdollars zu sein", wetterte er. 2011 war das, und im Jahr darauf kandidierte er erstmals fürs Oval Office, wenn auch ohne den Hauch einer Chance. Es gab damals keinen Spalter wie Trump. Für Johnson blieb nur ein Prozent der Wählerstimmen. Diesmal werden es wohl weit mehr sein.