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Der Herr der Ringel

Saarbrücken. Schröder-Geschäftsführer Willi Walter (64) feiert Mitte der Woche ein seltenes Jubiläum. Er ist seit 50 Jahren im Unternehmen und hat sich vom Metzgerlehrling zum Chef hochgearbeitet. Doch jetzt naht die Rente. Lothar Warscheid

Willi Walter gehört zum festen Bestandteil der saarländischen Lyoner-Kultur. Ohne seine intensive Beschäftigung mit der etwas anderen Fleischwurst würde es den Kult um den Ringel nicht geben. In den 80er und 90er Jahren wurde er dabei kräftig unterstützt von den Werbe-Profis und Buchautoren Charly Lehnert und Gerhard Bungert mit ihrem "Lyonerbuch". Dort werden - garniert mit Rezepten - Geschichten rund um das Bergmanns-Frühstück erzählt.

Das Werben um die Wurst ist allerdings auch Walters Profession. Denn Walter ist seit 23 Jahren Geschäftsführer der Saarbrücker Fleischwarenfabrik Schröder. Außerdem feiert der im Saarland ziemlich bekannte Manager an diesem Mittwoch ein besonderes Jubiläum. Seit 50 Jahren ist er bei Schröder beschäftigt. Am 1. April 1965 fing der damals 14-Jährige als Metzgerlehrling an. "Gedrängt hat mich dazu keiner. In meiner Familie und im näheren Umfeld war niemand in der Branche beschäftigt", erinnert sich der Saarbrücker. Der Vater war Bergmann und die Mutter Hausfrau. "Für mich war klar. Ich wollte entweder Metzger oder Koch werden."

In der Firma gab es einige, die schnell merkten, dass Metzgerlehrling Walter einiges auf dem Kasten hatte. Vor allem der damalige geschäftsführende Gesellschafter Otto Schröder und der Verkaufsleiter aus jener Zeit förderten ihn. Das war Carl ("Charly") Bossert, der spätere Chef der Saarlandhalle.

Nach zweieinhalb Jahren legte Walter seine Prüfung zum Metzgergesellen ab. Danach schnupperte er als Praktikant in den kaufmännischen Bereich hinein. "Ich habe danach alles gemacht", erinnert er sich. Das heißt: Produktion, Verkauf in den Filialen, Frischdienst (Auslieferung von Fleisch zu Kantinen und Restaurants) oder Nachtdienst, wenn die Touren des nächsten Tages kommissioniert und bestückt werden.

Hoher Bekanntheitsgrad


Nach seiner Bundeswehrzeit übernahm Walter 1973 den Großhandel und wurde 1976 zum Gesamtverkaufsleiter befördert. 1978 stieg er zum Prokuristen auf und 1992 wurde er Geschäftsführer .

In den fünf Jahrzehnten hat Walter einiges erlebt. Die Warenvielfalt, die sich in den 60er Jahren noch niemand vorstellen konnte, die Billig-Konkurrenz der Discounter, aber auch Fleischskandale wie beispielsweise die BSE-Krise. "Auf solche Dinge kann man nur mit gleichbleibender Qualität und Transparenz reagieren", sagt Walter. Die Antwort auf BSE ("Rinderwahnsinn") war ein eigenes Herkunftssicherungs-System, damit Schröder rückverfolgen konnte, wo die Tiere gemästet und geschlachtet wurden. "Wir müssen Vertrauen verkaufen", sagt Walter. Der umtriebige Geschäftsführer hat auch dafür gesorgt, dass die Marke Schröder im Saarland fast jedes Kind kennt. "Der von Marktforschern gemessene Bekanntheitsgrad liegt bei 92 Prozen t".

Dazu gehören ständig neue Produktideen, "damit Schröder im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde ist". Allein Fleischwurst aus der "Lyonergass" in Saarbrücken gibt es inzwischen in zahlreichen Varianten: mit Käse, Geflügel, wenig Fett (Lyoner légère), als Feuerring oder - seit kurzem - als Lyoner-Ravioli.

Der "Herr der Ringel" ist mittlerweile Chef über 500 Mitarbeiter. "Doch meine Tür steht jedem jederzeit offen", sagt Walter. Wenn jemand schüchtern fragt "Störe ich?", erhält er zur Antwort: "Hast Du schon, was willst Du denn?" Im Juni wird Willi Walter 65. Noch in diesem Jahr will er in Rente gehen. Pläne für diese Zeit hat er bislang keine. "Erst mal Luft holen und durchatmen." Es wird sich sicher etwas finden.