Der Hahnenkampf-Verein

Der Hahnenkampf-Verein

Hamburg. In einem verbalen Rundumschlag kritisiert der Philosoph Jürgen Habermas (80) das Versagen der deutschen und europäischen Politiker in der Finanzkrise. Sie hätten keine Grundüberzeugungen und Visionen mehr - "ganz zu schweigen von einem Projekt wie der Einigung Europas", schreibt er in einem Beitrag für "Die Zeit"

Hamburg. In einem verbalen Rundumschlag kritisiert der Philosoph Jürgen Habermas (80) das Versagen der deutschen und europäischen Politiker in der Finanzkrise. Sie hätten keine Grundüberzeugungen und Visionen mehr - "ganz zu schweigen von einem Projekt wie der Einigung Europas", schreibt er in einem Beitrag für "Die Zeit". Es regiere "eine normativ abgerüstete Generation", die sich "einen kurzatmigen Umgang" mit den von Tag zu Tag auftauchenden Problemen aufdrängen lasse. Die Asymmetrie zwischen der vollständigen ökonomischen und der unvollständigen politischen Einigung Europas sei gewollt. Als zentrales Problem nennt Habermas das Fehlen international handlungsfähiger politischer Institutionen und Gremien, etwa eine europäische Wirtschaftsregierung. Die Bändigung des Kasino-Kapitalismus scheitere weniger an der Komplexität der Märkte "als am Kleinmut und der mangelnden Unabhängigkeit der nationalen Regierungen". Die EU sei ein "Verein", der seine Energien "in Hahnenkämpfen um die Besetzung seiner einflussreichsten Posten mit den farblosesten Figuren verschleißt". Mit ein bisschen Rückgrat könne die Krise das "Bewusstsein, ein gemeinsames europäisches Schicksal zu teilen", herbeiführen. dpa