Der Grundstücks-Jongleur

Der Grundstücks-Jongleur

Die Wirtschaftsstrukturen in den saarländischen Städten und Gemeinden verändern sich. Neue Arbeitsplätze entstehen, alte fallen weg. In einer losen Reihe wollen wir einige Kommunen und ihren wirtschaftlichen Wandel vorstellen. Heute: die Stadt Homburg.

Der Homburger Oberbürgermeister Karlheinz Schöner (CDU ) hat Ordnung in seinen Gewerbegebieten. In Homburg sind sie nicht auf Flurnamen getauft, sondern heißen G 9, G 10 und so weiter. Im Gespräch rutschen ihm doch die geläufigen Begriffe wie "Westlich der Remise" (G 11) oder "Lappentascher Hof" (G 9) raus. Gewerbe- und Industriegebiete hat Homburg jede Menge. Manche sind fertig erschlossen und für Investoren reserviert, auf anderen sagen sich noch Fuchs und Hase Gute Nacht. Außerdem stehen zwei Industriebrachen in der Stadt, die Schöner gerne erwerben und entwickeln will. Das ist zum einen das Gelände des Anlagenbauers DSD und direkt daneben das Grundstück der früheren Gießerei Backes - beide in bester Innenstadtlage. Ohne diese beiden Filetstücke "kommen wir schon auf 125 Hektar Industrie- und Gewerbefläche", zählt Schöner auf. Mit 25 Hektar ist der Lappentascher Hof eines der großen Areale. Hier - am Eingang zur Stadt - ist derzeit noch das Erdbeerland zuhause. Doch die Stadt ist dabei, die Grundstücke zu erwerben - entweder durch Kauf oder Tausch. Dahinter liegt das Industriegebiet "Am Zunderbaum". Das Gelände des früheren Bundeswehr-Depots wird über die landeseigene Gesellschaft Saarland Bau und Boden (SBB) vermarktet und liegt nur zu 20 Prozent auf Homburger Gebiet, der Rest ist auf Kirkeler Bann. Doch den zweiten Abschnitt des Zunderbaums hat die Stadt vom Land gekauft. Hier soll sich der Fahrzeugbauer Jung niederlassen.

Seit Schöner im Jahr 2002 als 1. Beigeordneter und Dezernent den Bereich Bau und Liegenschaften übernommen hat und ihn auch als OB nicht abgab, ist das Kaufen, Verkaufen und Tauschen von Grundstücken zu einer Passion des gelernten Juristen und Finanzwirts geworden. "Wenn ein Investor kommt, muss ich ihm etwas anbieten können", so seine Devise. Bei diesem Geschäft kommt ihm seine direkte und hemdsärmelige Art zugute. Als Dr. Theiss Naturwaren, Hersteller von Wohlfühl-Produkten, wegen einer Erweiterung "schon auf dem Weg zu den Allgäuer Latschenkiefern war, habe ich gesagt, nix da, ihr bleibt hier. Ich habe das passende Grundstück für euch". Oder als die Geschäftsführer des AZH Ausbildungszentrum Homburg, Norbert und Julian Seiler, eine neue Bleibe für ihre Verbundausbildungs- und Weiterbildungsfirma suchten, konnte Schöner ihnen die passende Fläche offerieren.

Die Kreisstadt im Osten des Saarlandes ist traditionell ein starker Wirtschaftsstandort und mit seinen 33 000 Arbeitsplätzen ein Magnet für die Region. Bei den großen Auto- und Industriezulieferern wie Bosch, Schaeffler, Thyssen-Krupp Gerlach oder Michelin arbeiten tausende von Menschen. Mit Karlsberg hat außerdem eine namhafte Getränkegruppe in der Stadt ihren Sitz.

Die Stadt mit ihren 43 000 Einwohnern muss täglich 24 000 Ein- und Auspendler verkraften - meist Einpendler. Umso mehr ärgert es den Oberbürgermeister, "dass die Leute hier nicht ihr Geld ausgeben sollen". Ihn wurmt es sehr, dass sein Traum von der "Einkaufsgalerie ECE" am Enklerplatz zerstoben ist. Beinahe trotzig sagt er, dass "wir die landesplanerische Entscheidung in der Tasche haben". "Wir dürfen auf 16 500 Quadratmeter Einzelhandel mit innerstädtischem Sortiment - wie beispielsweise Bekleidung - ansiedeln." Dieses Pfand will er nicht aus der Hand geben. Die Nachfrage sei da. "In Homburg stehen kaum Läden leer."

Impulsgeber Gesundheit

Wirtschaftliche Strahlkraft haben auch die Medizinische Fakultät der Saar-Universität und die Universitätskliniken, wo allein 6500 Menschen arbeiten. Im Umfeld der Universität hat die Stadt das Biomedizinische Zentrum entwickelt, in dem inzwischen neun Firmen ihren Sitz haben.

Trotz der hohen Industriedichte schätzt Schöner die Wohnqualität in der Stadt als hoch ein. Allerdings fehlt ihm ein richtiges und zusammenhängendes Neubaugebiet. Schuld daran ist seiner Meinung nach der Landesentwicklungsplan Siedlung. Dort sind alle theoretisch bebaubaren Grundstücke aufgeführt. In der Theorie ist Homburg gut bestückt, darf also kein neues Bauland mehr ausweisen. "Doch wenn der Opa nicht verkaufen und der Enkel nicht bauen will, nützt mir die Theorie wenig", schimpft er. Auch hier hat ihm ein Grundstücksdeal geholfen. Wo früher die Feuerwache, die Hebammenschule und die Stadtwerke ihren Sitz hatten, zieht jetzt ein Projektträger auf 20 000 Quadratmeter ein innerstädtisches Wohnquartier hoch. "Das ist doch schon was", sagt der 63-Jährige, der ab 1. Oktober die Früchte seines Tuns im Ruhestand genießen kann.

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