Der große Traum vom eigenen Buch

Der große Traum vom eigenen Buch

Bücher schreiben und davon leben? Das wünschen sich viele. Anbieter von Dienstleistungen wie Lektorat, Satz und Grafik sind gefragter denn je. Verlage bieten Kurse für angehende Autoren an. Nachwuchsförderung in eigener Sache oder Einnahmequelle?

"Ich will schreiben und sonst nichts." Eigene Geschichten als Buch zu veröffentlichen, sei ein Jugendtraum, erzählt Ute Sybille Schmitz. Die 54-jährige Berlinerin hat ihn sich erfüllt: Zwei Jahre belegte die gelernte Drehbuchautorin nebenberuflich eine Fernausbildung in Kreativem Schreiben. Die Idee zu einer Fantasy-Geschichte für Kinder hat sie nun auf eigene Kosten mit einem Büro für Lektorat, Satz und Grafik umgesetzt.

Dienstleistungen und Kurse wie diese sind gefragt in Zeiten, in denen jeder ein E-Book erstellen und nach Bedarf drucken lassen kann. Aufmerksamkeit erhoffen sich die Anbieter bei der Leipziger Buchmesse, wo 3000 Autoren erwartet werden. Mit Slogans wie "Schreiben Sie jetzt Ihr Buch" oder "Jeder kann schreiben lernen" richten sie sich oft auch an Laien. Das Feld ist längst nicht mehr nur sogenannten Zuschussverlagen überlassen, bei denen für Veröffentlichungen saftige Preise fällig werden.

"In Verlagen hat man manchmal den Verdacht, dass jeder zweite Deutsche ein Manuskript in der Schublade hat", sagt die Leiterin der Kölner Bastei Lübbe Academy, Ann-Kathrin Schwarz. Die verlagseigene Schule bietet seit 2013 Seminare für angehende Autoren. Das Interesse gehe durch alle Schichten; vermittelt wird ihnen auch Marktwissen, etwa wie man für ein bestimmtes Genre den richtigen Verlag findet oder eine Idee vermittelt. Grundlagen des Schreibens unterrichten dort auch etablierte Autoren wie Andreas Eschbach.

Bis zu 500 Euro kosten drei Tage. Profitorientiert sei die Schule nicht, betont Schwarz' Kollege Jan Wielpütz: "Wenn bestimmte Bücher wie zuletzt Erotikromane überraschend erfolgreich sind, suchen Verlage nach Ähnlichem. Für unsere Konzepte fehlten uns aber immer wieder professionelle deutschsprachige Autoren." Diese glaubten häufig an angeborenes Talent, während der Beruf in den USA und Großbritannien als erlernbar gelte.

Dieses Handwerk habe ihr die Fernausbildung bei der "Schule des Schreibens" durchaus vermittelt, sagt Ute Sybille Schmitz. "Am Anfang habe ich mich natürlich gefragt, ob solche Kurse Geldmacherei sind." Je nach Dauer kosten sie bis zu 2500 Euro. Dafür erhalten Teilnehmer Lernhefte zu Themen wie Figuren, Plot oder Genres; Schreibaufgaben beurteilt ein Seminarleiter schriftlich. "Als zahlende Kundin erhielt ich aber zaghaftere Kritik, als ich das als Stipendiatin in der Drehbuchausbildung gewohnt war", sagt Schmitz.

Vor allem beruflich wie familiär stark eingebundene Frauen zähle man zur Zielgruppe, erläutert eine Sprecherin der Hamburger Fernschule. Diese ist Teil der Klett-Gruppe. Mehr als 2000 Teilnehmer sind aktuell eingeschrieben. Die Nachfrage werde immer wieder durch Trends angekurbelt: Als Hausfrau Bestseller zu schreiben, das hat nicht nur "Harry Potter"-Erfinderin Joanne K. Rowling vorgemacht.

Ute Sybille Schmitz hat zunächst Absagen erhalten. Nun, da sie sich zu den "Self-Publishern" zählt, ist ihr Buch "Bellana und die Berge von Fennatien" im Online-Handel. Sie bereut nichts.

Tausende weitere selbstveröffentlichte E-Books finden sich auf den Portalen im Netz: Hinter "Neobooks" etwa steht mit Droemer Knaur ebenfalls ein großer Unterhaltungsverlag. Autoren lockt man mit der Aussicht, in dessen Programm zu landen. Bei Bastei Lübbe haben das nach eigenen Angaben bisher rund ein Dutzend geschafft - von bisher 300 Seminarteilnehmern.