Der größte Absturz seit 60 Jahren

Der größte Absturz seit 60 Jahren

Wiesbaden. Die deutsche Wirtschaft ist im vorigen Jahr mit einem Minus von 5,0 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Das berichtete gestern das Statistische Bundesamt und dämpfte zugleich die Hoffnungen auf eine rasche Erholung

Wiesbaden. Die deutsche Wirtschaft ist im vorigen Jahr mit einem Minus von 5,0 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Das berichtete gestern das Statistische Bundesamt und dämpfte zugleich die Hoffnungen auf eine rasche Erholung. Im vierten Quartal gab es nach einer ersten Schätzung der Statistiker entgegen der Erwartungen kein Wachstum der Wirtschaftsleistung, sondern nur eine Stagnation. Experten hatten für 2009 zuletzt mit einem etwas geringeren Minus von 4,8 Prozent gerechnet. "Deutschland als exportabhängige Nation ist von der weltweiten Wirtschaftskrise besonders betroffen", sagte der Präsident der Wiesbadener Behörde, Roderich Egeler, den ersten Absturz der deutschen Wirtschaft seit 2003. Die Rezession 2009 fiel massiver aus als beim bisher stärksten Einbruch 1975 nach der Ölkrise (minus 0,9 Prozent). Ausgebremst wurde die deutsche Wirtschaft 2009 vor allem durch den Exporteinbruch und rückläufige Investitionen. Erstmals seit 1993 wurden aus Deutschland weniger Waren und Dienstleistungen ausgeführt als im Vorjahr: Nach Jahren stetig steigender Ausfuhrzahlen sanken die preisbereinigten Exporte zweistellig um 14,7 Prozent. Zudem wurde deutlich weniger investiert als im Jahr 2008: So stürzten etwa die Investitionen von Staat und Unternehmen in Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge (Ausrüstungsinvestitionen) um 20 Prozent ab. Positive Impulse kamen vom Konsum: Private Konsumausgaben erhöhten sich preisbereinigt um 0,4 Prozent - maßgeblich durch die staatliche Prämie für Neuwagenkäufer. "Die Abwrackprämie hat sicher dazu beigetragen, dass der Konsum im positiven Bereich blieb", bilanzierte Egeler. Ohne Pkw-Käufe hätte sich der private Konsum zum Vorjahr um 0,5 Prozent vermindert. Der Arbeitsmarkt zeigte sich im Krisenjahr 2009 relativ stabil - unter anderem, weil Kurzarbeit und Arbeitszeitkonten Entlassungen verhinderten. Vor allem im Winter 2008/2009 war die Konjunktur eingebrochen. Im zweiten Quartal (plus 0,4) und im dritten Quartal (plus 0,7) hatte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wieder zugelegt - unter anderem, weil der Export wieder anzog und der Staat Geld in Konjunkturprogramme butterte. Das holte die Wirtschaft aus der Rezession, konnte den Absturz im Gesamtjahr aber nicht verhindern. Im Kampf gegen die Krise häufte Deutschland einen gigantischen Berg neuer Schulden auf: Das Staatsdefizit stieg mit 77,2 Milliarden Euro auf 3,2 Prozent des BIP. Das ist knapp über der Schuldengrenze des europäischen Stabilitätspakts von 3,0 Prozent. Für dieses Jahr erwarten Volkswirte, dass die Konjunktur an Fahrt gewinnen wird. Die Wachstumsprognosen reichen von 1,5 Prozent bis 2,3 Prozent. dpa

HintergrundWegen der Wirtschaftskrise hat der Bund Bürgern und Unternehmen 2009 mit deutlich mehr Geld unter die Arme gegriffen. Die Summe der Finanzhilfen und Steuervergünstigungen stieg 2009 im Vergleich zum Vorjahr um knapp sechs Milliarden Euro auf 29,5 Milliarden Euro, wie aus dem gestern vom Bundeskabinett verabschiedeten Subventionsbericht hervorgeht. Im laufenden Jahr sollen die Ausgaben wieder sinken: Vor allem wegen des Auslaufens der Abwrackprämie liegen sie um 5,1 Milliarden Euro niedriger bei dann 24,4 Milliarden Euro. Die direkten Zuschüsse des Bundes für einzelne Wirtschaftszweige hatten sich von 5,9 Milliarden Euro im Jahr 2008 auf rund 12,2 Milliarden Euro im vorigen Jahr fast verdoppelt. afp

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