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Der Berg ruft, der Gletscher schmilzt

Saarbrücken. Reise-Fernsehen trifft Filmgeschichte. In der Dokumentation „Drama am Gipfel“ bereist Schauspieler Harald Krassnitzer Orte, an denen Klassiker des Bergfilms wie „Die weiße Hölle am Piz Palü“ mit Leni Riefenstahl oder „Die Geierwally“ gedreht wurden. Von SZ-RedakteurTobias Kessler

Drehorte berühmter Filme von einst zu besuchen, Stellen, an denen einst Filmgeschichte geschrieben wurde - das kann ernüchternd sein und ein wenig banal. Es sei denn, man reist an Orte, die schon an sich atemberaubend sind und keiner filmischen Nostalgie bedürfen - zum Beispiel die Bergwelt. Die sehenswerte ARD-Dokumentation "Drama am Gipfel", die jetzt als DVD bei der Riegelsberger Firma Pidax erscheint, spürt einer Handvoll bekannter Filme nach, die in der Welt der Berge entstanden sind - meist unter schwierigen, nicht selten unter gefährlichen Bedingungen.

Unser Bergführer in der anderthalbstündigen Doku ist Harald Krassnitzer; Anfang der 90er Jahre spielte er am Saarländischen Staatstheater, dann wurde er im Fernsehen als "Bergdoktor", "Winzerkönig" und aktuell als Tatort-Ermittler ein höchst beliebter Mime. In "Drama am Gipfel" wandelt (und wandert) er auf den Spuren von Luis Trenker, James Bond, der "Geierwally" und Leni Riefenstahl. Die spielte, bevor sie NS-Regiestar wurde, 1929 in "Die weiße Hölle vom Piz Palü". Krassnitzer besucht den Drehort von einst, begleitet von dem Enkel des Regisseurs Arnold Fanck, der mit der aufwendigen Produktion das Genre des Bergfilms begründete.

Der Gletscher schmilzt

Alte, immer noch imposante Filmausschnitte und Naturimpressionen von heute werden parallel montiert: Sie zeigen, wie riskant die Dreharbeiten einst waren und wie sich die Natur über die Jahrzehnte verändert hat: Krassnitzer klettert in eine Gletscherspalte, über der einst auch die Riefenstahl baumelte - damals war sie um die 50 Meter tief, heute nur noch 15, denn der Gletscher schrumpft.

Die nächste Station des Films sind die Drehorte der 1956er "Geierwally"-Verfilmung mit Barbara Rütting, die in der Doku mit Krassnitzer noch einmal den Berg hochwandert - mit Mitte 80 und flottem Schritt. Nebenbei erklärt sie, wie sie den Geier im Film dazu brachte, zärtlich an ihrem Kopf zu nesteln - sie drapierte Fleischstücke in ihrem Haar.

Weiter geht es zum Matterhorn, wo Luis Trenker 1938 den Berg rufen ließ, und zum Schilthorn, wo Willy Bogner 1968 für "Im Geheimdienst ihrer Majestät" (eher ein James-Bond- denn ein Bergfilm) flotte Skijagden filmte. Er raste bisweilen auch rückwärts den Berg hinab, mit einer schweren Kamera zwischen den Beinen. Krassnitzer besucht auch das "Hotel Eiger" in Mürren, wo einst die raubeinigen Stuntmen wohnten, und das "Piz Gloria" auf dem Gipfel des Schilthorn: bei 007 die Festung des Schurken Blofeld, heute ein Restaurant, das etwas piefiger anmutet als zu Bonds Zeiten.

Insgesamt eine gelungene Doku mit schönen Naturbildern, vielen Informationen und dem charmanten Bergführer Krassnitzer, dem man das Interesse am Thema deutlich anmerkt. Im Bonus-Material der DVD kann man ihn bei verpatzten Szenen auch herzhaft fluchen hören. "Geh' - Scheisendreck" hat er als "Bergdoktor" nie gesagt.

Erschienen bei Pidax.