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Der Auto-Thron könnte bald in Wolfsburg stehen

Düsseldorf. Die Rauchschwaden haben sich zwei Tage nach dem Salzburger Familiengipfel der Porsche-Eigner kaum verzogen, die Details des angestrebten Daches für die Autobauer Porsche und Volkswagen bleiben weiter offen. Fest steht: Der kühnste Plan der jüngsten Wirtschaftsgeschichte ist gescheitert, Porsches Durchmarsch auf Kosten von VW gestoppt Von SZ-Mitarbeiter Marc C. Schneider

Düsseldorf. Die Rauchschwaden haben sich zwei Tage nach dem Salzburger Familiengipfel der Porsche-Eigner kaum verzogen, die Details des angestrebten Daches für die Autobauer Porsche und Volkswagen bleiben weiter offen. Fest steht: Der kühnste Plan der jüngsten Wirtschaftsgeschichte ist gescheitert, Porsches Durchmarsch auf Kosten von VW gestoppt.Der vom Erfolg berauschte Manager Wendelin Wiedeking, der Porsche vor dem Aus rettete und zum profitabelsten Autohersteller der Welt machte, lernt eine neue Lektion: Demut. Ohne die beiden ungeliebten Partner am Tisch des VW-Aufsichtsrates, das Land Niedersachsen und den Betriebsrat, kann er nicht regieren. Statt Kommandoton ist Diplomatie gefragt. Selbst Porsches Betriebsratschef Uwe Hück, der lange mit seinen VW-Kollegen im Clinch lag, fordert jetzt die Ausweitung des von Porsche erbittert bekämpften VW-Gesetzes, das den Mitarbeitern und Niedersachsen Sonderrechte einräumt, auf Porsche. Das geht rechtlich nur, wenn die Volkswagen AG das Dach des neuen Konzerns bildet. Eine bittere Niederlage für die Stuttgarter. Ihren Triumph feierten VW-Betriebsratsboss Bernd Osterloh und IG-Metall-Chef Berthold Huber gestern mit VW-Chef Martin Winterkorn vor den Betriebsräten von Audi bis Skoda in Wolfsburg. Winterkorn wird, was er faktisch bereits ist: der wichtigste Manager im gemeinsamen Haus. Entscheidend ist: Das Grobgerüst des neuen Konstruktes folgt der wirtschaftlichen Vernunft. Es stärkt die Position des VW-Konzerns auf dem Sprung an die Weltspitze. Die Aussicht der Wolfsburger, den Autothron zu erklimmen und sich dort festzusetzen, waren trotz Absatzkrise nie so gut wie heute. Der notwendige Kompromiss mit Porsche würde diese Position stärken. Ist der Dauerstreit endlich beseitigt, entfaltet das Reich Porsche-VW volle Kraft.Von der einleuchtenden Logik des Zusammenschlusses profitieren die Streithähne gemeinsam. VW versteht es nach Beseitigung von Anlaufpannen wie kein zweiter, im Hintergrund die Technik kostensparend zu vereinheitlichen, im Vordergrund aber separate Marken zu führen. Ein Ende der erfolgreichen Strategie ist nicht in Sicht, mit Porsche kommt ein zehnter Akteur dazu. Das Geheimnis eines integrierten Konzerns liegt in der Balance aus Freiraum für die Marken und Konzerndisziplin. General Motors scheiterte mit der Tochter Opel daran.Die Konkurrenten beneiden VW und Porsche um ihre Möglichkeiten. Selbst der japanische Branchenbeste Toyota steuert um und versucht, seine Marken nach dem VW-Vorbild emotional aufzuladen. Deshalb tun die Familienstämme Porsche und Piëch gut daran, ihren Machtkampf innerhalb der selbst gesetzten Frist von vier Wochen beizulegen. Ob es Wolfgang Porsche als Chefaufseher des Stuttgarter Sportwagenbauers passt oder nicht - die Erfolgsmechanik des integrierten Autokonzerns, der die Weltspitze erobert, hat sein ungeliebter Cousin und VW-Patriarch Ferdinand Piëch entworfen.Unabhängig von den Besitzverhältnissen, die am Ende auf dem Papier stehen: Eine Fusion unter Gleichen gibt es nicht. Operative Entscheidungen werden in Wolfsburg getroffen. Der kraftstrotzende Goliath aus Niedersachsen lässt sich nicht vom schwächelnden David aus Schwaben vorführen.