| 00:00 Uhr

Denkmal auf der Partymeile

Das Thema erfordert hohe Sensibilität. Weil es um ein unfassbares Verbrechen geht. Von Bernard Bernarding

Weil es um Juden in Deutschland geht. Und weil es um die Kunst geht. Über Kunst in Kombination mit Erinnerungskultur gehen die Meinungen oft weit auseinander. Auch deshalb braut sich in Saarbrücken ein brisanter Streit zusammen, der womöglich noch für viel Unmut sorgen wird.

Nach einem langen Findungsprozess hatte der Saarbrücker Stadtrat im Juni vorigen Jahres beschlossen, am neuen Rabbiner-Rülf-Platz in zentraler City-Lage das Denkmal "Der unterbrochene Wald" zu errichten. Zur bleibenden Erinnerung an die saarländischen Opfer der Judenverfolgung. Eine Menge wichtiger Leute war in den Beschluss eingebunden, es gab Symposien, Vorträge, Ausstellungen, Pressekonferenzen. Die Bürger selbst haben nicht mitentschieden, und es darf vermutet werden, dass sie dem vorliegenden Konzept auch nicht zugestimmt hätten. Denn der "Wald" aus Bronze-Baumstämmen soll nicht nur quer über die neue Freitreppe an der Berliner Promenade verlaufen; zusätzlich sollen jetzt an der Stirnwand der Treppe über 1000 Tafeln mit den Namen der Opfer angebracht werden. Zumindest ist dies der jüdischen Gemeinde so versprochen worden.

Nun ist Erinnerungskultur nicht nur wichtig, sondern elementar für unsere Gesellschaft. Nur wer zurückschaut und aus Fehlern lernt, kann sicheren Schrittes in die Zukunft gehen. Die Frage ist indes, und darum dreht sich der Streit eigentlich immer, wie ein Denkmal aussehen und wo es platziert werden soll. An dieser Frage scheiden sich die Geister, erinnert sei an unzählige Denkmal-Streitereien in Berlin, Düsseldorf, Bamberg oder Augsburg. Dabei geht es nicht nur um Ästhetik oder provozierende Skulpturen etwa eines Markus Lüpertz. Es geht auch und vor allem um den "Geschmack" derer, für die diese Kunst eigentlich gedacht ist.

Die Willensbildung im Saarbrücker Stadtrat für das jüdische Denkmal verlief zweifellos korrekt, auch wenn die Einbeziehung der Treppe erst später erfolgt ist. Doch es bleibt die Frage, ob man mit dieser Lösung die gewünschte Wirkung des "Denk mal!" erzielen kann. Klar, dass die jüdische Gemeinde und der Künstler ihr Werk gern an prominentester Stelle sehen möchten. Aber sehen die Bürger, die das Areal an der Berliner Promenade zu Recht als ihre (und von ihr bezahlte) Freizeit- und Vergnügensstätte verstehen, das auch so?

Die Verantwortlichen in der Landeshauptstadt sind gut beraten, die praktische Umsetzung des Erinnerungs-"Waldes" behutsam anzugehen. Wer bei diesem öffentlichen Projekt kritische Einwände missachtet, darf sich später nicht beklagen, wenn auf der Partymeile Zustände eintreten, die mit der Würde des Denkmals unvereinbar sind.