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Den Brummis gehen die Fahrer aus Es werden sogar die Klempner knapp

Saarbrücken. Der Facharbeitermangel macht inzwischen auch vor dem Speditionsgewerbe nicht halt. Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen warnt davor, dass "der Transportbranche ein drastischer Facharbeitermangel droht" Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

Saarbrücken. Der Facharbeitermangel macht inzwischen auch vor dem Speditionsgewerbe nicht halt. Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen warnt davor, dass "der Transportbranche ein drastischer Facharbeitermangel droht". In einer Studie, die von der Hochschule Heilbronn im Auftrag von ZF erstellt wurde, heißt es, "dass der fehlende Nachwuchs und der demographische Wandel zur Wachstumsbremse für die Logistik-Branche zu werden drohen". In den kommenden zehn bis 15 Jahren "gehen etwa 250 000 der rund 660 000 Fahrer in den Ruhestand", so Autoren der ZF-Studie. Gebraucht würden etwa 25 000 Nachwuchskräfte pro Jahr. Den Weg in den Beruf fänden - durch Ausbildung oder Quereinstieg - allerdings nur zwischen 13 000 und 18 000 Personen.Spediteure an der Saar sehen die Lage noch nicht so dramatisch. Armin Rein, geschäftsführender Gesellschafter der Saarlouiser Spedition Nikolaus Rein, baut dennoch vor. "Wir bilden verstärkt aus", sagt er. Früher habe man häufig junge Männer eingestellt, "die ihren Lkw-Führerschein bei der Bundeswehr gemacht haben". Seit die Wehrpflicht weggefallen sei, "ist diese Quelle leider weitgehend versiegt". Laut ZF-Studie haben früher rund 15 000 junge Leute pro Jahr das Weiterbildungs-Angebot der Bundeswehr genutzt.


Wer jetzt den Beruf des Kraftfahrers erlernen will, muss seinen Lkw-Führerschein "häufig selbst finanzieren", heißt es in der Heilbronner Studie. Zwischen 6000 und 8000 koste diese Ausbildung. "Oft übernehmen die Speditionen diese Kosten", weiß Rein.

Der Führerschein allein "reicht aber nicht aus", betont Werner Konz, geschäftsführender Gesellschafter der Saarbrücker Spedition Josef Konz. "Wer Berufskraftfahrer werden will, muss neben dem Führerschein auch eine Grundqualifikation nachweisen", erläutert Claus-Thomas Bodamer, Geschäftsführer Güterverkehr im Landesverband Verkehrsgewerbe Saarland (LVS). Dieser Grundlehrgang umfasst 140 Stunden und kostet weitere 2000 Euro. Angeboten wird der Kursus von privaten Fahrschulen, aber auch von der GAB - Gesellschaft für berufliche Ausbildung und Unternehmensberatung, die zum Verbund des LVS gehört. Dort schließt der Grundlehrgang mit einer 90-minütigen Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) ab. Brummifahrer müssten sich außerdem ständig weiterbilden und Lehrgänge absolvieren - beispielsweise in Sachen Ladungs- und Verkehrssicherheit, Gefahrgut-Transport, aber auch in Mechatronik, damit man kleinere Reparaturen am Fahrzeug selbst erledigen kann. Auch hier bietet die GAB entsprechende Kurse an. "Die Ausbildung ist so gut wie noch nie", sagt Armin Rein. Dennoch hätten die Brummifahrer kein gutes Image mehr. "Viele sehen nur die verstopften Autobahnen, denken aber nicht darüber nach, wie der Joghurt in den Supermarkt kommt."



Von den in der ZF-Studie befragten Fahrern wünschen sich 89 Prozent eine bessere Bezahlung. Das Standard-Bruttoentgelt liegt nach Angaben von Konz zwischen 2200 und 2300 Euro pro Monat. Auf der anderen Seite haben diejenigen, die als Trucker arbeiten, Spaß an ihrer Tätigkeit. "56 Prozent würden ihren Beruf jederzeit wieder wählen", heißt es in der Untersuchung.

Berlin. Der Kampf der Bundesregierung gegen den Fachkräftemangel ist aus Sicht von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eine Erfolgsgeschichte. Dabei werden sogar die Klempner knapp.

Die Sicherung der Fachkräfte sei "die Achillesferse der deutschen Wirtschaft", meinte von der Leyen gestern bei der Vorstellung des aktuellen Regierungsberichts zur Arbeitsmarktsituation. Nach den Prognosen wird die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland bis zum Jahr 2025 um etwa sechs Millionen sinken. Aber es gibt auch gegenläufige Tendenzen. So konnte der bisherige Rückgang durch einen höheren Beschäftigungsgrad und eine stärkere Zuwanderung ausgeglichen werden. Laut Bericht ist die Erwerbstätigenquote in Deutschland seit 2005 um etwa sieben Prozentpunkte auf nunmehr 77 Prozent gestiegen. Das ist der zweite Platz im EU-Vergleich hinter Schweden (80 Prozent). Als zusätzliches Potenzial hat sie vor allem Ältere, Frauen und Migranten im Visier.

Nach Angaben der Ministerin ist außerdem die Zeitdauer, bis eine offene Stelle neu besetzt wird, in den vergangenen zwei Jahren durchschnittlich von 62 auf 76 Tage gestiegen. Das deutet auf eine Verschärfung der Situation hin. Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) fehlt es nicht nur im Maschinenbau oder in der Energiebranche an Experten. Auch nicht akademische Fachkräfte werden langsam knapp. Im Bereich Klempnerei, Sanitär, Heizung und Klimatechnik bleiben offene Stellen im Schnitt 107 Tage unbesetzt. Inzwischen klagt gut jedes dritte Unternehmen in Deutschland über einen Mangel an qualifiziertem Personal - das sind mehr als doppelt so viele wie vor drei Jahren. vet