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Dem hohen Anspruch an Kunst verpflichtet

Anita und Axel Walzinger in ihrer Galerie. Foto: Engel und Seeber
Anita und Axel Walzinger in ihrer Galerie. Foto: Engel und Seeber
Saarlouis. Damals, Anfang der 1980er Jahre, als die Jungen Wilden die Kunstszene beherrschten, wäre es "ein Leichtes gewesen, auf diesen Zug aufzuspringen", meint Axel Walzinger

Saarlouis. Damals, Anfang der 1980er Jahre, als die Jungen Wilden die Kunstszene beherrschten, wäre es "ein Leichtes gewesen, auf diesen Zug aufzuspringen", meint Axel Walzinger. Beuys-Schüler Wolfram-Eberhard Saro, den die Galerie 1980 zeigte, hatte ihm und seiner Frau Anita "die erste große Frage" gestellt: Wo geht's hin? Weg von der bislang gezeigten lokalen Szene, das war klar, aber nicht wahllos den Trends hinterher, sondern einem Programm verpflichtet.



Das hieß fortan Konkrete Kunst, materialbezogen und wahrnehmungsintensiv. Dabei ist es geblieben, während in den letzten 32 Jahren die Galerie Walzinger ihren Standort in Saarlouis mehrfach gewechselt und seit sieben Jahren in der Augustiner Straße in der Altstadt ihren Platz hat.

Ortswechsel gehörten lange Jahre zum Geschäft. Die Galerie war über zehn Jahre auf der Art Cologne erfolgreich, hatte einen Stand bei der Art Frankfurt und kehrte nach einigen Jahren Enthaltsamkeit Mitte der 2000er Jahre auf die Art Dornbirn zurück. Bis es 2008 mit den Messeauftritten endgültig vorbei war. Eine schwere Herzerkrankung Axel Walzingers verlangte nach - wie er sagt - "Entschleunigung". Langsamer machen und nur noch drei, höchstens viermal im Jahr zu Ausstellungen laden, heißt es jetzt. Aber es heißt nicht, aufzugeben. "Auf gar keinen Fall", beharrt Axel Walzinger. Gründe gäbe es genug: seien es die Krankheit, der Kostendruck durch die steigende Mehrwertsteuer für Kunst, die schwierige Situation, was Ankäufe von chronisch klammen Museen sowie die überschaubare Sammlerszene im Saarland angeht und auch generell die "Vorbehalte gegenüber Konkreter Kunst", zählt Axel Walzinger auf. Zu anspruchsvoll sei sein Programm, das könne man dem Zuschauer nicht vermitteln, habe er zur Antwort bekommen, als er für einen Fernsehbeitrag beim Regionalsender anfragte.

Jetzt erst recht, sagte sich das Galeristenpaar und versammelt unter dem Titel "Anspruch", den es schon 1990 programmatisch auf den Katalog zum Zehnjährigen gedruckt hatte, 26 Künstler der Galerie, darunter einige Documenta-Teilnehmer.

Die Walzingers sind eng mit der Konkreten Kunst verwachsen. Sie bleibe aktuell, weil sie zeitlos sei und zugleich immer wieder die Wahrnehmung unmittelbar herausfordere, sagen beide. Nicht zuletzt setzen neue Künstler, wie Ekkeland Götze, Jürgen Paas und demnächst die in Paris lebende Saarländerin Ellen Marx weitere Impulse im seit jeher gepflegten Künstlerstamm der Galerie. Dieses Verhältnis zeichnet die Galerie Walzinger aus, die in regelmäßigen Ausstellung die Entwicklung eines Künstlers begleitet. Klingt selbstverständlich, ist aber heute selten geworden. Anspruch bindet nicht nur Kunst und Künstler der Galerie. Er verpflichtet auch die Galeristen.sg

Die Ausstellung "Anspruch oder zu anspruchsvoll?" läuft bis zum 9. März. Geöffnet: Di bis Fr: 15 bis 19 Uhr und Sa: 10-14 Uhr.